Friday, 09.02.2007

Die kollektive Unschuld

Wiederholung und Festigung. Vor einem Jahr Gunnar Schuberts "Kollektive Unschuld" gelesen. Jetzt nochmal eine Lesung mit dem Autor im VL. Dazu gab es noch ein Filmchen von den Filmpiraten über die Antifa-Demo vom letzten Jahr. Glücklicherweise hatte sich eine "normale" Frau in eine Blockade der Demoprofis verirrt. Sie berichtete über ihre ganz und gar unschrecklichen Erlebnisse ...

Sunday, 28.01.2007

Babel

Also mal ein nicht Comedy-Action-Monumental und trotzdem Mainstreamfilm. Unser Hauskino kündigt den Film so an:
Ein einziger Gewehrschuss verändert das leben mehrerer Menschen auf drei Kontinenten, die sich fast nie begegnen. Bei fahrlässigen Schießübungen verletzen zwei marokkanische Jungen die amerikanische Bustouristin Susan lebensgefährlich. Ihr Mann Richard bangt in einem Dorf bar medizinischer Hilfe um sie. Der Vorfall wird zum Politikum, und eine Jagd auf vermeintliche Terroristen nimmt ihren Lauf. Derweil schmuggelt die Haushälterin
Amelia zwei Kinder mit auf eine Hochzeit in Mexiko. Und in Japan leidet die taubstumme Chieko unter Vereinsamung. Weltumspannendes Ensembledrama mit vier raffiniert ineinander verwobenen Storys.
Und das "Ensembledrama" endet sehr schön realistisch. Die Drittwelthandlungsstränge um die marrokanischen Ziegenzüchter und die mexikanische Haushälterin enden in der persönlichen Katastrophe. Die Erstweltstränge um amerikanische Touristen, die mal ein paar Stunden auf den Rettungshubschrauber warten müssen, und um eine reiche japanische Familie enden mit Happy End und Versöhnung.

Thursday, 18.01.2007

Meuterei auf der Bounty

Gestern gabe es noch Theater in der Werft. Der Werbeflyer sagte: "Ein Stück für Aussteiger und Workaholics." Ein tiefdurchgeistigter 1. Offizier und eine weniger intellektuelle Mannschaft besiedeln mit geraubten Frauen nach geglückter Meuterei eine idyllische Insel. Irgendwann haben sich alle Männer bis auf einen gegenseitig erschlagen.
Mir viel bei dem Stück wieder meine ungelöste Frage um das hierarchiefreie Zusammenleben von Menschen ein: Wie sollen sich Menschen einigen, die unterschiedlich intelligent sind. Wenn unterschiedlich starke Leute Holz fällen, ist das kein Problem. Dann sagt der Starke: Lass mich mal das Schwere machen. Aber wenn die Leute unterschiedlich klug sind? Sagt dann die Schlauere: Lass mich mal das denken, planen, entscheiden.

Tuesday, 12.12.2006

Radioasyl

coloRadio aus Dresden kann nur vier Stunden pro Woche senden und hat deshalb bei anderen Stationen ein wenig Asyl bekommen. Das hat mir eine herrliche Blödelpredigt zur Weihnachtszeit beschert, mit Sprüchen wie:
Misstrau
der Tagesschau.
oder
Alle kaufen Kippen,
statt das Kaufen zu Kippen

Monday, 04.12.2006

Magnetbanduntergrund

Im Kunsthaus Erfurt gab es eine Lesung mit Videos und Musik zum Magnetbanduntergrund Ende der 80er Jahre in der DDR. Allerlei wilde Sachen, die sich auch nach zwanzig Jahren noch gut anhören. Einiges war mir geläufig.
Und ich musste feststellen, dass sich die Art meines Kulturkonsums seit dieser Zeit kaum geändert hat. Es gab damals irgendwelche Privatkonzerte, unter der Hand verteilte Kasetten, Bands, die nicht öffentlich auftreten konnten. Habe ich nicht mitbekommen. Aber was ich mir angesehen habe, waren alle schrägen öffentlichen Sachen: AG Geige und so Performances mit Malerei und Saxophon. Alles was die schröckliche Stasi als Ventil zugelassen hatte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wunderliche Konzerte und Lesungen, garstigtextige CDs im Küchenradio. Der ganze linke Rand der Meinungsfreiheit. Aber ich gehöre nicht wirklich dazu. Finanziere mit einem Teil meines Gehalts durch meinen Kulturkonsum die "Szene".

Friday, 01.12.2006

Road to Guantanamo

Eine pakistanische Familie lebt in Großbritannien. Der Sohn der Familie ist dort aufgewachsen. Es ist nun Zeit zu heiraten und er fährt 2001 mit drei Freunden nach Pakistan um die Frau zu heiraten, die man für ihn ausgesucht hat. Es ist noch etwas Zeit bis zur Hochzeit und so machen die vier einen Ausflug nach Afghanistan, dort soll es so tolles Fladenbrot geben. Sie laufen in der Gegend rum, wo die USA Bin Laden vermuten und essen ihr Fladenbrot. Als ihnen auffällt, dass doch ziemlich viele Männer schwer bewaffnet sind und auch noch Bomben vom Himmel fallen, beschließen sie, zurück nach Pakistan zu fahren. Auf dem Heimweg werden sie als vermeintliche Talibankämpfer festgenommen. Dieser „Justizirrtum“ kostet sie Folter und ein paar Jahre Guantanamo. Schließlich stellt sich doch heraus, dass die angeblichen Terroristen brave britische Bürger sind. Das Happy End besteht darin, dass die von den Eltern arrangierte Hochzeit mit einigen Jahren Verspätung doch noch stattfinden kann.
Ein Film über den Rechtsstaat und wie er nur in unkomplizierten Friedenszeiten existiert. Es ist schon eine feine Sache, dass ein Lehrer Ärger kriegt, wenn er seine Schülerinnen haut oder schwängert, dass Mord und Gammelfleisch verboten sind. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es auch der Staat selbst ist, der entscheidet, wann er sich an die Rechtsstaatlichkeit aus dem Sozialkundeunterricht hält. Geheimdienst, Ausnahmezustand oder Notstandsgesetze sind sogar „legale“ Hintertürchen.

Saturday, 25.11.2006

Videoabend

Che2001 verhalf mir mit der Grauzone zu einem Abend mit einem Film aus dem Regal Unterhaltung aus der Videothek meines Vertrauens.

Saturday, 28.10.2006

Parfüm

Mainstreamkino im Capitol. Wir waren die Einzigen, die mit dem Fahrrad gekommen waren. Das fand ich ungewöhnlich.

Monday, 23.10.2006

Protofaschismus in der Disco

Im Ärztehaus gab es zum Abschluss der Radiorevolten noch eine Lesung mit Trine Heue. In einem Text wurde beschrieben, wie es in einer schröcklichen neuzeitlichen Disco zugeht. Wie die XTC-gedopten jungen Menschen ferngesteuert vom DJ gleichgeschaltet durch die Nacht hüpfen. Georg Seeßlens "Tanz den Adolf Hitler" fällt mir ein und der Beitrag über Rammstein auf Beatpunk. Und im Autoradio passend dazu Musik von der Konserve: Zu Technoklängen bastelt eine verzerrte Stimme eine neue Genesis an deren Anfang House und deren Ende Progressive House steht.

Sunday, 15.10.2006

Potzlow

Passend zu der kleinen Judenhatz in Parey dann noch "Zur falschen Zeit am falschen Ort." Unterschicht-BigBrother für politisch korrekte Bildungsbürger. Da wird ein Junge bestialisch von seinen Freizeitkameraden ermordet, weil er die falsche Hose anhatte und weil alle Beteiligten besoffen waren. Der Film schwelgt nicht in Kinderphotos des Opfers, die direkten Täter treten nicht auf. Vielmehr zeigt die Kamera ein Dorf, dessen Bewohner mehrheitlich in die Barbarei zurückfallen. Die Erwachsenen referieren ihren Biertisch, in dem alles mögliche am Tod des Jungen Schuld hat, nur nicht sie selbst...
Der Film macht deutlich wie lächerlich staatliche Antifaschismusprogramme sind, die Faschismus als Krankheit begreifen, die mit Adolf angefangen hat und ausgemerzt ist, wenn keiner mehr Hakenkreuze malt.

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