Saturday, 26.04.2008

Der Realexistierende, die 97.

Natürlich werde ich mein Leben lang über das Wesen des Systems grübeln, in dem ich auf dem linken Pfad der Tugend ausgesetzt wurde. Gremliza gibt mal wieder Futter:
Die Volksrepublik China war, wie die Sowjetunion, ein Versuch, einen großen Sprung nach vorn, aus dem Mittelalter in die Neuzeit, mit Versatzstücken aus dem Fundus kommunistischer Theorien zu organisieren und zu kostümieren. Der reale Sozialismus der Chinesen bedeutete, wie der sowjetische, nicht die "Aufhebung" des Kapitalismus, sondern seine Vorbereitung. Er hat Adam Smiths "ursprüngliche Akkumulation" in Gang gesetzt und mit ihr ein Proletariat geschaffen, hat die beiden Gesellschaften an den historischen Punkt geführt, von dem Westeuropäer und Nordamerikaner Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebrochen waren.

Monday, 28.01.2008

Vokabelheft

Dann noch eine Liste von deutschen Wörtern, die ins Englische Einzug gehalten haben - aus dem gestern erwähnten "How to be a Kraut":
  • Angst
  • Blitzkrieg
  • Doppelgänger
  • Ersatz
  • Führer
  • gemütlich
  • Hinterland
  • Junkers
  • Kitsch
  • Mensch
  • Nazi
  • Poltergeist
  • Rucksack
  • Turnverein
  • Über- und Unter-
  • Verboten
  • Weltschmerz
  • Jodeln
  • Zeitgeist
Hört sich schon irgendwie an wie das Land der Dichter und Denker, der Mörder und Henker.

Sunday, 27.01.2008

How to be a Kraut

Ein schnelles Büchlein zwischendurch. "How to be a Kraut" von Roger Boyes. Mit so schönen Sätzen wie:
Der Deutsche geht in den Wald, um sich klein und demütig zu fühlen.
oder
Manche Soziologen argumentieren, dass der schwarz-braun-grün-gelben Tonnenlogik eine deutsche Besessenheit des Themas Selektion zugrunde liegt.

Wednesday, 22.08.2007

Freizeitrevoluzzer

In der aktuellen ak wird gegen den Mythos Heiligendamm gewettert. Es geht gegen die Optimisten, die aus den erfolgreichen Gipfelprotesten eine "Verschiebung des politischen Feldes nach links" (Thomas Seibert) herauslesen. Und da findet sich ein Satz, der genau auf mich passt:
Ob und wie kann es in Zeiten des zugespitzten Erwerbsarbeitszwangs gelingen, die durch die G8-Proteste (wieder) auf den Geschmack gekommenen älteren Semester ( 30 Jahre + X) niedrigschwellig in langfristige Organisationsprozesse einzubinden.
Bin ja mal gespannt: vielleicht kann ich mich ja auch niedrigschwellig in den revolutionären Weltprozess einbringen.

Friday, 29.06.2007

Lektüre

Ich habe das ziegelsteinförmige Büchlein "Wir sind überall" angefangen zu lesen. Wenn ich gute Laune habe, kann ich mich von der Stimmung des Buches mitreißen lassen. Weltweit verteilte Beispiele von aufrührerischen Aktionen gegen den Kapitalismus und zwar nicht dröge von Parteien oder Gewerkschaften organisiert, sondern graswurzelmäßig und diffus vernetzt: Die Autoren sehen einen Zusammenhang zwischen Chiapas und "Reclaim the Streets", zwischen "Sans Papiers" und amerikanischen Studenten, die gegen Sportsachen aus Sweatshops kämpfen - und es wird einem ganz warm ums Herze.
Mir kommen aber auch Zweifel. Ist es wirklich dasselbe, wenn auf der einen Seite indigene Bauern gegen Todesschwadrone kämpfen, illegalisierte Immigranten Kirchen besetzen und auf der anderen Seite blockieren fettgefressene Europäer mit großem Funfaktor eine Autobahn (scheint übrigens schon keinen Spaß mehr zu machen) und amerikanische Studenten erquengeln sich bei ihrer Univerwaltung Fair-Trade-Tennissocken. Diese andere Seite erscheint mir in übellaunigen Stunden so antikapitalistisch wie Mülltrennen ökologisch.

Wednesday, 30.05.2007

Serviceoase Deutschland

In meinem Briefkasten steckte heute eine schwarz-gelbe Werbebroschüre von der Post. Auf Seite 8 findet sich:
Schon am Sonntag wissen, was am Montag im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" steht - Zukunftsvision? Nein, denn die Deutsche Post startet derzeit ein Pilotprojekt, ihre Zustellung auf sieben Tage auszuweiten.
Bebildert das Ganze mit einem freudig strahlendem Briefträger. "Samstag's gehört Vati mir!" fällt mir ein und kichernde Schweine in Fleischerwerbungen.

Sunday, 15.04.2007

Wider den aggresiven Darwinismus

Mir ist das Buch "Prinzip Menschlichkeit - Warum wir von Natur aus kooperieren" von Joachim Bauer über den Weg gelaufen. Ich glaube das muss ich mal lesen. Passt es doch wunderbar zu meinem Weltbild, in dem der Kapitalismus ein Unfall, eine Krankheit ist. Ich erhoffe mir ein paar Argumente gegen den allgegenwärtigen Alltagsdefätismus vom "Menschen, der nun mal so ist".

Sunday, 19.11.2006

Hilf dir selbst, dann hilft die Gott

von Anna Willi. Eine Kleinbäuerin wird aufgerieben von despotischen Schwiegereltern, zu melkenden Kühen und sonstigen Widrigkeiten.
Früher, als ich noch hinter der Mauer lebte, habe ich immer schreckliche Moritaten über die Mühsal des Lebens im Kapitalismus gelesen. Gorki, Jack London, Günther Wallraff oder Robert Linhart mit "Eingespannt".
Jetzt, verfettend und eingezwängt in einen festen Arbeitsvertrag, mit Urlaub, Kühlschrank und Auto fühle ich mich der Bäuerin verwandt. Es ist eine sinnvolle Tätigkeit Kühen, den Mist wegzuräumen oder jungen Menschen was beizubringen. Was zermürbt sind die sinnlosen Organisationsformen.

Sunday, 08.10.2006

Oral History 3

Haase erzählt eine Geschichte im Capitol. Jugendweihe, in den 90ern. Am Abend standen sie beisammen, Haase und seine Kumpel. Ein Mädchen lästerte über zwei Fascho-Glatzen auf der anderen Straßenseite: "Seh'n die aber komisch aus!" Dann sind sie gerannt und hatten Angst. Haase und sein Freund, der mit dem schwarzen Judo-Gürtel, saßen unter dem Balkon hinter einer Hecke und warteten, bis die Gefahr vorüber war.

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