Thursday, 29.06.2006

Hammer und Zirkel im Ährenkranz

Gestern habe ich zwei DDR-Fahnen in der unverkrampft Schwarz-Rot-Gold geflaggten Stadt entdeckt.

Sunday, 25.06.2006

Fußballfreie Oase

Nach dem Achtelfinale. Fahnengeschmückten Balkone, hupende Autos, trunkene-siegestrunkene Menschen in Schwarz-Rot-Gold gehüllt. Ganz Deutschland im Fußballtaumel. Ganz Deutschland? Im Garten des VL findet man Zuflucht. Keine Fußballwimpel schmücken den Tresen. Kein Hinweis auf die Live-Übertragung der WM. Unter alten Kastanienbäumen sitzt man in einem Dickicht aus wildem Wein, geborgen wie in einer Burg. Kein grelles Licht, nur die Sterne. Im Hintergrund dezente Punkmusik. Nur leise von weit her aus den kleingärten unverkrampfte "Deutschland"-Rufe.

Thursday, 22.06.2006

Verstädters Gehirn

Heute rannte ich durch den grünen Wald. Ich erfreute mich an den grünen Pflanzen. In einem unkonzentrierten Augenblick traf die Sinneszellen meiner Augen das Licht einer entfernten Pflanzengruppe. Das Gehirn hatte nur kurz Zeit die flüchtig aufgefangenen Reize zu verarbeiten. Und was spuckt die Mustererkennung aus: die in der Sonne funkelnde Heckscheibe eines Autos. Mitten im Wald, auf der Rabeninsel, im Naturschutzgebiet.

Tuesday, 06.06.2006

Buchenwald

Ich fuhr mit dem Rade durch einen frisch begrünten Buchenwald. Die Strukturen dieses Waldes versetzten mich für kurze Zeit in einen "om"-seeligen Zustand der Erhabenheit. Es war ein Buchenwald mit alten und jungen Bäumen, die Kronen verdeckten den Himmel. Die Bäume bildeten aber kein langweiliges gotisches Gewölbe, sondern eine weite, deterministisch-chaotische,
räumliche Struktur. Perfekt harmonische Unordnung - wie das Tosen der Brandung am Meer. Nur dass ich mich innerhalb dieser Struktur befand. Soweit das Auge reichte (und es reichte weit) die dicken und dünnen Stämme, die Äste mit den grünen Blättern, die oben den Himmel verdeckten aber auch weiter unten in den Raum ragten. Dazu ein grünes Dämmerlicht - den Augen wohltuend. Und mir viel ein, wie armselig die Welt ist, die wir uns geschaffen haben, bestimmt von rechten Winkeln und einfachen geometrischen Strukturen.

Tuesday, 11.04.2006

Kühe hinter dem Elektrozaun

Da grasen ein paar Kühe. Durch zwei dünne Drähte auf ein vollgeschissenes Viereck beschränkt. Sie wissen, dass es weh tut, wenn man die Drähte berührt. Aber eigentlich sind diese Drähte ein Witz, sie könnten die Rindviecher in keiner Weise aufhalten, wenn sie nur einfach loslaufen würden.
And what about me?
Wie pflegte Che Guevara zu sagen: "Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht."

Thursday, 23.03.2006

Stadtfrühling

Der erste Gang auf den Balkon. Mit dem Rücken ans warme Geländer gelehnt. Die dörflichen Geräusche des Großstadthinterhofs: das Hintergrundrauschen des Verkehrs, aber jetzt leiser als die Spatzen und der Staubsauger.

Tuesday, 21.02.2006

Endlich Frühling

  1. Auf dem großen kahlen blattlosen Schul/Knast/Kasernenhof grölt eine Amsel.
  2. Es gibt mehr Licht.
  3. Die Straßen führen ihre frischen Schlaglöcher vor.

Tuesday, 31.01.2006

Sonntagsspaziergang

Na gut, heute ist schon Dienstag, aber der gedeihliche Sonntagsnachmittagsgang über die Pulverweiden und runter zum Kanal war anders als sonst:
Es war alles voller Kinder, Kinderwagen, Familien. Dort wo sonst nur die Hunde ausgeschüttelt werden, sah es aus wie Zille hundert Jahre danach. Ganz eigenartig - so viele Kinder auf einem Haufen und das in D.

Sunday, 29.01.2006

Toter Fisch im Eis

Der Kanal ist zugefroren. Das Eis ist schwarz und klar. An einer Stelle ist ein großer Fisch eingefroren. Am Abend wenn es kalt wird, beginnt das Eis zu knacken. Schaurg schöne, fast metallische Schläge.

[←newer posts]