Thursday, 10.04.2008

Tibet

Über die attac-Diskussionsliste: Eine differenzierte Einschätzung in Sachen Tibet liefert der israelische Autor, langjährige Knesset-Abgeordnete und Friedensaktivist bei Gush Shalom, Uri Avnery. Er schreibt am 5.4.2008, es sei kein Zufall, "dass die Unruhen in Tibet am Vorabend der Olympischen Spiele stattfinden. Das ist in Ordnung. Ein für seine Freiheit kämpfendes Volk hat das Recht, jede Gelegenheit zu nutzen, die sich ergibt, um seinen Kampf zu fördern. Ich unterstütze die Tibeter, obwohl mir bewusst ist, dass die Amerikaner diesen Kampf für ihre eigenen Zwecke ausnützen. Klar, die CIA hat den Aufstand geplant und organisiert, und die amerikanischen Medien führen die weltweite Kampagne. Sie ist ein Teil des verborgenen Kampfes zwischen den USA, der herrschenden Supermacht, und China, der aufstrebenden Supermacht ? eine neue Version des
'Großen Spiels', das im 19. Jahrhundert in Zentralasien wischen
Großbritannien und Russland gespielt wurde. Tibet ist nur eine Karte in diesem Spiel. Ich bin sogar bereit, die Tatsache zu ignorieren, dass die sanften Tibeter ein mörderisches Pogrom gegen unschuldige Chinesen ausführten, Frauen und Männer töteten und Häuser und Läden anzündeten.
Solche abscheulichen Exzesse geschehen während eines Befreiungskampfes.
Nein, was mich wirklich stört, ist die Heuchelei der Weltmedien. Sie stürmen und brausen über Tibet. In Tausenden von Kommentaren und Talkshows häufen sie Verfluchungen und Beschimpfungen über das bösartige China. Es sieht so aus, als seien die Tibeter das einzige Volk auf Erden, dem das Recht auf
Unabhängigkeit mit brutaler Gewalt verweigert wird - wenn nur Peking seine schmutzigen Hände von den safrangelben Gewändern der Mönche wegnähme, dann wäre in dieser Welt alles in Ordnung."

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