Friday, 29.06.2007

Lektüre

Ich habe das ziegelsteinförmige Büchlein "Wir sind überall" angefangen zu lesen. Wenn ich gute Laune habe, kann ich mich von der Stimmung des Buches mitreißen lassen. Weltweit verteilte Beispiele von aufrührerischen Aktionen gegen den Kapitalismus und zwar nicht dröge von Parteien oder Gewerkschaften organisiert, sondern graswurzelmäßig und diffus vernetzt: Die Autoren sehen einen Zusammenhang zwischen Chiapas und "Reclaim the Streets", zwischen "Sans Papiers" und amerikanischen Studenten, die gegen Sportsachen aus Sweatshops kämpfen - und es wird einem ganz warm ums Herze.
Mir kommen aber auch Zweifel. Ist es wirklich dasselbe, wenn auf der einen Seite indigene Bauern gegen Todesschwadrone kämpfen, illegalisierte Immigranten Kirchen besetzen und auf der anderen Seite blockieren fettgefressene Europäer mit großem Funfaktor eine Autobahn (scheint übrigens schon keinen Spaß mehr zu machen) und amerikanische Studenten erquengeln sich bei ihrer Univerwaltung Fair-Trade-Tennissocken. Diese andere Seite erscheint mir in übellaunigen Stunden so antikapitalistisch wie Mülltrennen ökologisch.

[←newer posts] [older posts→]