Friday, 29.06.2007

Lektüre

Ich habe das ziegelsteinförmige Büchlein "Wir sind überall" angefangen zu lesen. Wenn ich gute Laune habe, kann ich mich von der Stimmung des Buches mitreißen lassen. Weltweit verteilte Beispiele von aufrührerischen Aktionen gegen den Kapitalismus und zwar nicht dröge von Parteien oder Gewerkschaften organisiert, sondern graswurzelmäßig und diffus vernetzt: Die Autoren sehen einen Zusammenhang zwischen Chiapas und "Reclaim the Streets", zwischen "Sans Papiers" und amerikanischen Studenten, die gegen Sportsachen aus Sweatshops kämpfen - und es wird einem ganz warm ums Herze.
Mir kommen aber auch Zweifel. Ist es wirklich dasselbe, wenn auf der einen Seite indigene Bauern gegen Todesschwadrone kämpfen, illegalisierte Immigranten Kirchen besetzen und auf der anderen Seite blockieren fettgefressene Europäer mit großem Funfaktor eine Autobahn (scheint übrigens schon keinen Spaß mehr zu machen) und amerikanische Studenten erquengeln sich bei ihrer Univerwaltung Fair-Trade-Tennissocken. Diese andere Seite erscheint mir in übellaunigen Stunden so antikapitalistisch wie Mülltrennen ökologisch.

Thursday, 28.06.2007

AG Geige

Letztens kam mir ein Lied von AG Geige unter die Ohren, in dem sich die Sänger über den Zustand ihrer Briefpost beklagten: Da waren so Haare drin, kleine schwarze Kügelchen und andere körperliche Hinterlassenschaften der Leute, die die Briefe mitgelesen hatten. Mir fielen wieder die entrüsteten Reportagen ein - über die riesigen Hinterzimmer, in denen die Staatsmacht ein Heer von Briefelesern unterhielt. Und natürlich der Verweis auf das tolle Briefgeheimnis des neuen Grundgesetzes für mich neuen Deutschen...
Wenigstens bleiben uns heute Fettflecke auf den E-Mails erspart.

Monday, 25.06.2007

Geschichtsnachhilfe - Schwarzer Block

Beim Che gibt es eine "Eine kleine Kulturgeschichte des Schwarzen Blocks". Bleibt den heutigen Militanten zu wünschen, dass sie ihre eigene Geschichte kennen.

Friday, 22.06.2007

Der goße Schultest

mit Jörg Pilawa. Schüler einer 6. Klasse, natürlich Gymniasiasten, treten gegen "Prominente" wie z.B. abgehalfterte Serienstars oder Sportler an. Natürlich gewinnen die Schüler, weil sie besser wissen wie das Licht am Fahrrad funktioniert oder ob die Pharaonen falsche Bärte oder Glatze hatten. Aber was soll uns das lehren? Dass die Schule eine dem Menschen Gewalt antuende Zwangseinrichtung ist - wer sich brav das angebotene Wissen bis zu Test oder Prüfung ins Hirn hämmert, darf vielleicht eine Stelle in der Gesellschaft abkriegen, wo es mehr Knete gibt?
Was mich mehr geärgert hat, war das ständige doppelmoralige oder einfach falsche Geschwätz:
  • Das Kokettieren mit der eigenen Schulzeit, alle waren sie tolle Typen - nie war jemand einfach nur ein braver Streber.
  • Pilawa zu Gästen: "... hinterher gibt es noch Bier satt" - Komasaufen von Rundfunkgebühren?
  • In einem Steinzeitsketch hüpft ein Komiker im Fellmantel durch die Gegend und behauptet er würde "auf Arbeit gehen" - obwohl dieses Konzept "auf Arbeit gehen" zu Zeiten der Jäger und Smmler garantiert unbkannt war.

DasErste.de

Wednesday, 20.06.2007

Netter Abend mit Ebermann

Wieder ein Vortrag von der ag-antifa. Diesmal mit Thomas Ebermann. Aber nicht so gallig wie der Wertmüller vor ein paar Wochen. Er plaudert von der PDS/WASG bzw. der Linken: die regelmäßige Bild-Kolummne von Lafontaine, das Parteiprogramm, das sich zu Marktwirtschaft/Kapitalismus bekennt, die läppischen sozialen Forderungen (zahmer als Sachen, die Blüm vor ein paar Jahren wollte) Er weiß zu berichten, dass nur NPD-Anhänger autoritätsgeiler sind als Anhänger der Linken. Und er berichtet wie das ganze nationalistische Elend schon in den 30ern bei der KPD anfing: die Schlageter-Geschichte, General Paulus und das NKFD und besonders genüsslich ausgebreitet: die Besetzung Helgolands durch die West-FDJ im Kampf gegen die britischen Okkupanten.
Ein Abend in weiser, spöttischer Melancholie...
Hörprobe bei freie-radios.net

Wednesday, 13.06.2007

Böse Worte

Die Menschheit schläft schon lange - und sie schläft immer noch - eingelullt im goldenen Käfig der kleinen Freuden mit ihren Nächsten. - Teilhard de Chardin

Quelle: Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation

Tuesday, 12.06.2007

Französischlektion

Bei La Deutsche Vita gibt es eine nette Lektion über die zänkischen Deutschen.

Monday, 11.06.2007

Epilog Block G8

Was eine Freude den zurückgekehrten Blockierern zuzuhören. Wie sie heimgekehrt aus den Schlachten des zivielen Ungehorsams von ihren Heldentaten berichten. Olle Gandhi hätte seine Freude dran.
Gramsci und Focault ziehen ihre Stirn in Falten. Zwar haben die Blockaden gezeigt, wie leicht viele was erreichen können. Die Zeichen der Hegemonie stehen gerade nicht auf Revolution - die Macht des Kapital(ismu)s hat sich tief in die Seele des doitschen Volkes gefressen.
Da sitzen jetzt die Tausenden Blockierer wieder zuhause, multiplikatorieren ihre Freude/Erfahrung an ihre Szenekontakte weiter - und doch bleibt die ganze Sache für Millionen eine Episode im TV mit ein paar Wasserwerfern und Wursthaarträgern.

Sunday, 10.06.2007

Theodor Bergmann

Der Film "Dann fangen wir von vorne an" berichtet über Theodor Bergmann. So ein Mensch, der es geschafft hat zeit seines 90-jährigen Lebens auf der linken Seite zu bleiben. Muss ich mir mal ansehen, nicht zuletzt aufgrund meines eigenen fortschreitenden Lebensalters.

Friday, 08.06.2007

Mainstream-Medien

Um nicht der einseitigen Berichterstattung der alternativen Szenemedien zu erliegen, habe ich auch noch Fernsehen geguckt.
8.6. - 19:30 - NDR: Bild: Wasserwerfer halten auf eine Menschenmenge in der viele die Arme hochhalten. Ton: Die Situation eskaliert. Danach noch ein Polizeipfarrer, der den armen Polizisten beisteht, die an ihrer Aufgabe zweifeln. (Mir fallen die alten Griechen ein oder waren es die Römer. Da war Polizist das Letzte, das konnte man keinem freien Mann zumuten, das waren auf jeden Fall Sklaven).
Danach noch ein wohlwollender Bericht über das Zusammentreffen der J8-Vorzeige-Kinder mit den G8-Chefs. Großaufnahme vom glücklichen Quotenneger.
8.6. - 20:00 - RTLII: Das selbe Bild von den Wasserwerfern. Ton: Die Polizei räumt mit Wasserwerfern.
Das selbe Bild von dem runden Tisch mit den Jugendlichen und den Regierungschefs. Es wird in müde-gelangweilte Gesichter der Politiker gezoomt. Kommentar sinngemäß: Die waren noch nicht richtig bei der Sache. Dann noch ein O-Ton von Angela Merkel, die die Politiker auffordern muss, doch mal was dazu zu sagen.
Nicht dass ich jetzt glaube, dass RTL neuerdings ein antikapitalistischer Globalisierungskritiker geworden ist. Aber was ich beim NDR gesehen habe, war Hofberichterstattung in guter alter AK-Tradition.

Thursday, 07.06.2007

Gewaltdebatte

Von der BUKO Endlich mal eine differenzierte, unhysterische Stellungnahme zur Gewaltfrage.

Chronologie einer Falschmeldung

Stefan Niggemmeier analysiert den Werdegang der dpa-Falsch-Meldung von Sonnabend 18:41:
Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”
Diese Geschichte ist ein gutes Gegengift gegen allzu einfache Verschwörungstheorien von absichtlich abgestellten Polizeiautos und Autonomen, die man an Schotter-Gleisbetten vorbeiführt, damit sie Steine auflesen können. Die Choreografie der medialen Darstellung wird nicht zentral gelenkt. Der Prozess, bei dem genau das rauskommt, was rauskommen soll, läuft viel diffiziler.
Die erfolgreichen Blockaden zeigen, dass es selbst dagegen Mittel und Wege gibt.

Wednesday, 06.06.2007

Schön

Als ich heute gegen 5 in den Nachrichten hörte und sah, dass die Blockaden funktionieren, habe ich mich einfach nur gefreut.
Lieblingsbild dazu

Gesichter des Widerstandes

schöne Bildergalerie umbruch-bildarchiv.de.

Auch das noch

Virtuelle Demo gegen Armut in “Second Life”

Tuesday, 05.06.2007

Die Linke ist häßlich

sprach Justus Wertmüller auf einer Veranstaltung der ag antifa:
Die (radikale) Linke ist hässlich. In ihren Händen verkehrt sich Kritik ins Bekenntnis trivialer Seelen, jede schriftliche Äußerung in Propaganda aus dritter Hand und Sprache in einen fiesen Jargon. Sie weiß von sich selbst kaum mehr, als dass man sich irgendwie im Widerstand gegen Systeme, Strukturen und Herrschaftsverhältnisse befände, die sie nicht bestimmen kann. Ihre Elendsumzüge im Zeichen von Antifa und Noglobal, Antirassismus und irgendetwas mit Gender, auf denen schreckliche Wursthaarträger ihre beispiellose Kreativität zur Schau stellen, androgyne Antifaburschen oder -mädchen die neueste Turnschuh- und Kapuzenpullikreation auftragen, und Quotenmigranten ein Herz für fiese Kulturen und Religionen einfordern, vermögen noch nicht einmal die Teilnehmer zu begeistern, geschweige denn irgendwelche Passanten...
Der Referent unendlich polemisch, bitterböse aber auch gehetzt und unsicher. Nichts von der überlegenen Arroganz eines Gremliza oder spöttischen Distanz des Duos Ebermann/Trampert. Empörte Gutmenschen-Zuhörer verlassen türenknallend den Saal, als er den Wahlsieg von Sarkozy gutheißt.
Im Prinzip wettert er gegen eine Linke, die Lob heischt, nur weil sie sich dafür einsetzt, dass alles gut wird und die sich dann wundert, dass sie dasselbe will wie die NPD. Er kritisiert den Angriff auf die Herrschenden und deren Symbole, weil der Kapitalismus ein Verhältnis ist, das alles und jeden durchdrungen hat.
Justus Wertmüller ist ein kleiner bissiger Terrier, der die Rebell-Clowns und G8-Blockierer von links in die Waden beißt und ständig mahnt, dass die "andere" attac-Welt mit stabilem Klima und ohne Hunger in Afrika noch lange keine befreite Welt ist.

Monday, 04.06.2007

Wir sind doch alle gegen den Hunger auf dieser Welt

Talkshow mit Geißler, Beckstein, Campino und so, die über Gewalt, Proteste und G8 palavern. Leute, die Gewalt befürworten oder vielleicht die Blockaden organisieren, waren nicht dabei. Am Anfang lobte das attac-Mitglied Heiner Geißler seine Organisation ob ihrer Gewaltlosigkeit und ihrer hehren Ziele, gipfelnd in der These, dass attac eigentlich auch was für Günther Beckstein wäre... Deutschland einig Lichterkettenland.

Nestbeschmutzer

Im Deutschlandradio Kultur hat ein Polizeipsychologe den Einsatz der Polizei in Rostock scharf kritisiert. Er beschreibt Strategien aus den 70er Jahren:
Das ist in Wirklichkeit eine ganz einfache Sache, das heißt: Einsatz psychologischer Mittel, unbedingter Vorrang psychologischer Mittel vor Anwendung unmittelbarer Gewalt. Dann kommen natürlich noch ein paar andere Grundsätze dazu, zum Beispiel, dass eine Demonstration eine Veranstaltung von Demonstranten ist, die natürlich sauer reagieren oder sich bedroht fühlen, wenn man ihnen die Straße wegnimmt oder wenn man ihnen den Platz verkleinert. Es ist eigentlich in Rostock alles lehrbuchgerecht so gemacht worden, wie es nicht sein soll. Und die Beamten lernen das natürlich auch auf der Polizeiakademie, dass man es so nicht macht. Also deswegen war dieser Einsatz von vornherein eigentlich daneben, sagt man einfach.

Sunday, 03.06.2007

TV-Tipp

Als Ausgleich zu Tagesschau & Co. gibt es g8-tv.org. Mein momentaner Favorit sind die Fahrraddiebe.

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