Saturday, 28.10.2006

Parfüm

Mainstreamkino im Capitol. Wir waren die Einzigen, die mit dem Fahrrad gekommen waren. Das fand ich ungewöhnlich.

Monday, 23.10.2006

Protofaschismus in der Disco

Im Ärztehaus gab es zum Abschluss der Radiorevolten noch eine Lesung mit Trine Heue. In einem Text wurde beschrieben, wie es in einer schröcklichen neuzeitlichen Disco zugeht. Wie die XTC-gedopten jungen Menschen ferngesteuert vom DJ gleichgeschaltet durch die Nacht hüpfen. Georg Seeßlens "Tanz den Adolf Hitler" fällt mir ein und der Beitrag über Rammstein auf Beatpunk. Und im Autoradio passend dazu Musik von der Konserve: Zu Technoklängen bastelt eine verzerrte Stimme eine neue Genesis an deren Anfang House und deren Ende Progressive House steht.

Sunday, 22.10.2006

Funkstille

Den Rechner übers Wochenende für eine Lanparty des Sohnes verborgt. Und da zeigte sich, wie sehr ich dieser Maschine verfallen bin. Andere Männer putzen die Felgen ihres Autos, räumen ständig den Keller auf oder widmen ihre Freizeit der Weltrevolution. Ich habe mir angewöhnt, technische Probleme zu lösen, die ich ohne diese Maschine nicht hätte. Ich rümpfe die Nase über GZSZ und lese indymedia, belächle Tratsch im Treppenhaus und bloggge.

Wednesday, 18.10.2006

Gott - die blöde Schwuchtel!

Die Weltregierung brachte mir ein herrliches Fundstück für bibeltreue Christen.

Liebes Tagebuch,

wo bist du eigentlich.
Da schwatze ich mit meinem Sohn über allerlei Computerkram. Er freut sich, dass wir so viele Fachbegriffe verwenden können, dass die anwesende Kaffeerunde nicht weiß, wovon wir reden.
Da fragt doch jemand, wo eigentlich mein Blog gespeichert ist, wo sich die Festplatte dreht, auf der die Daten sind. So eine konkrete Frage aber auch...

Sunday, 15.10.2006

Potzlow

Passend zu der kleinen Judenhatz in Parey dann noch "Zur falschen Zeit am falschen Ort." Unterschicht-BigBrother für politisch korrekte Bildungsbürger. Da wird ein Junge bestialisch von seinen Freizeitkameraden ermordet, weil er die falsche Hose anhatte und weil alle Beteiligten besoffen waren. Der Film schwelgt nicht in Kinderphotos des Opfers, die direkten Täter treten nicht auf. Vielmehr zeigt die Kamera ein Dorf, dessen Bewohner mehrheitlich in die Barbarei zurückfallen. Die Erwachsenen referieren ihren Biertisch, in dem alles mögliche am Tod des Jungen Schuld hat, nur nicht sie selbst...
Der Film macht deutlich wie lächerlich staatliche Antifaschismusprogramme sind, die Faschismus als Krankheit begreifen, die mit Adolf angefangen hat und ausgemerzt ist, wenn keiner mehr Hakenkreuze malt.

Die Matrix lässt grüßen

Drei Leute bauen auf youtube eine gefakte Dokusoap über lonelygirl15, um die sich eine sechs bis siebenstellige Fangemeinde bildet. Siehe auch Stern und Spiegel.

Saturday, 14.10.2006

Koinzidenz

Irgendwo in der zonalen Provinz kriegt ein Junge ein Schild um den Hals: "Ich bin im Ort das größte Schwein, ich lass mich nur mit Juden ein!" Die MZ schreibt was von "Hilflosigkeit nach dem Schock!" Wer über so eine Sache 2006 noch schockiert im Sinne von plötzlich und unerwartet ist, ist entweder sehr weltfremd oder er heuchelt.
Dann Hannah Arendt auf arte. Erinnert an die "Banalität des Bösen" und den Massenmörder und Buchhalter Eichmann. Da wurden tausend Bücher geschrieben darüber, wie Faschismus funktioniert und wenn er wieder anfängt sich zu regen, sind alle sooo schockiert...

Tuesday, 10.10.2006

Doing The Dirty Work?

Gestern gab es die Lesung zu "Doing the dirty work?" im Ärztehaus:
  • Gemeinsam von VL und Frauenkulturtage/Weiberwirtschaft organisiert, saßen bei der Lesung mal noch ein paar andere Leute herum.
  • In D gibt es 4 Millionen Haushalte mit Putzfussel.
  • Studenten-WG und Haushaltshilfe beginnen zusammenzugehören.
  • Die Frauen mit migrantischem Hintergrund sind prima, sie kommen erst wenn sie erwachsen sind und wenn sie alt sind verschwinden sie wieder.
  • Und natürlich wieder das Grübeln über das Gutmenschen-Problem: Eine Erste-Welt-Familie macht sich das Leben leichter, indem sie sich eine nette Frau aus Ghana hält. Die rettet mit dem erputzten Geld ihre Familie zuhause vor dem Untergang. Und alle sind glücklich?

Sunday, 08.10.2006

VOB in Island

Wenn es in Island üblich ist, auf Elfen und Lichtwesen beim Straßenbau Rücksicht zu nehmen, dann fragt sich der buchhalterische Deutsche, ob es wohl auch vorkommt, dass auf geplanten Trassen plötzlich besonders viele Zwerge wohnen, um die Kosten ein wenig aufzublähen.

Oral History 3

Haase erzählt eine Geschichte im Capitol. Jugendweihe, in den 90ern. Am Abend standen sie beisammen, Haase und seine Kumpel. Ein Mädchen lästerte über zwei Fascho-Glatzen auf der anderen Straßenseite: "Seh'n die aber komisch aus!" Dann sind sie gerannt und hatten Angst. Haase und sein Freund, der mit dem schwarzen Judo-Gürtel, saßen unter dem Balkon hinter einer Hecke und warteten, bis die Gefahr vorüber war.

Saturday, 07.10.2006

Goldene Zitronen

Nachdem ich mich bedächtigst über die Texte informiert habe, gab es dann noch Lenin von den Goldenen Zitronen. Die Scheibe ist ungeeignet als gediegene Untermalung eines netten Feierabendtees. Aber sie passt hervorragend zu meiner garstigen Weltsicht und meinem fortgeschrittenen Alter. Es gibt ja massenhaft kritische Lieder: Blumfelds Diktatur der Angepassten kommt mir in den Sinn oder das unsägliche Wenn ich schon Kinder hätte. Aber die meisten Sachen wettern in der zweiten oder dritten Person. Entweder mit dem Vorrecht der noch unschuldigen Jugend oder aber ziemlich arrogant mit Steinen aus dem Glashaus werfend. Die Zitronen pochen nicht darauf Teil der Lösung zu sein, sie begreifen sich als Teil des Problems. Damit sind sie bei mir an der richtigen Adresse...

Friday, 06.10.2006

Marketing

Heute sah ich eine Straßenbahn ganz in autonomem Schwarz-Rot: "Träume nicht deine Küche, lebe deine Küche." Passt gut zu der Ausstellung "So geht Revolution"

Thursday, 05.10.2006

Konvergenz

Intel hat 80-Kern-Prozessoren vorgestellt, bei denen jeder Kern direkt mit je 256 MB Speicher verbunden ist. Für mich hört sich das so an, als ob die Technik anfängt auf biologie-ähnlichen Pfaden zu Wandeln - das Gehirn als eine Wolke interagierender Neuronen auf der einen Seite, auf der anderen Seite Multiprozessorsysteme. Wenn jetzt der Arbeitsspeicher mit dem Prozessor verschmilzt, tun sich da Strukturen auf, die den Rahmen der Von-Neumann-Architektur sprengen?

Monday, 02.10.2006

Ach ja, die armen Kinder

Irgendwo aufgeschnappt:
Spielen auf dem Spielplatz, Sehen im Fernsehen, Abenteuer im Erlebnispark - Leben aus zweiter Hand.
Oder in der Hyperrealität wie Baudrillard sagen würde.

Sunday, 01.10.2006

Raus aus der Klasse, zurück in die Klasse

Midlifecrisis von den Goldenen Zitronen. Ätzender Balsam für die schrumpfende Seele des braven Staatsdieners:
Wir kapitulieren, auf allen Vieren. Bei gutem Rotwein, ohne uns zu genieren. Nein, nein, wir können uns nichts Besseres vorstellen. Nein, als für den Rest Single oder Kleinfamilie, oder beides im Wechsel zu sein. Nein, da ist kein ironischer Unterton. Wenngleich, ein Weg voller Steine und Kanten, lässt einen wahrscheinlich entspannter landen. War ja ne irre Zeit, aber mir ist im Nachhinein überhaupt nicht mehr klar, wie wir uns das eigentlich so gedacht hatten. Raus aus der Klasse - Zurück in die Klasse - Rein in die Kartoffeln - Zu Hause ist's am Schönsten. Also noch mal: Tschuldigung, dass wir manchmal sogar versucht hatten unser Erbe mit den Fäusten auszuschlagen. Sorry, sorry, sorry. Wenns Recht ist, nehmen wir es jetzt doch lieber an. Es wird in guten Händen sein, versprochen. Ja, ja. Nein, nein. Wird auch nicht wieder vorkommen. Nein, auch bei unseren Kindern nicht. Ha, die sind doch nicht blöd. Raus aus der Klasse - Zurück in die Klasse - Rein in die Kartoffeln - Zu Hause ist's am Schönsten. Wir werden uns nicht mehr beschweren. Nicht, dass wir hier jemand belehren wollen, aber uns im Namen anderer zu ereifern, das ist einfach nix. Z.B. im Namen derer, die unsere iBooks zusammenschrauben, oder unsere Klamotten? Wir und die, WIR und DIE? Haben doch schließlich alle was davon. Und wenns denen reicht, müssen die das eben selber gebacken kriegen. Ist ja auch OK dann.
Aber so schlimm sieht es bei uns noch nicht aus. Schließlich konnten wir uns noch nicht dazu entschließen, auf guten Rotwein umzusteigen.

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