Saturday, 30.09.2006

Arbeit macht frei

Dann noch eine Talkshow auf RBB über bedingungsloses Grundeinkommen mit zwei prominenten Fürsprechern: Götz Werner, dem Chef der Drogeriemarktkette DM und Katja Kipping von der Linkspartei. Das Gruseligste an der Veranstaltung war die Befragung der "kleinen" Leute im Publikum. Die sangen das Lied vom schrecklichen Schlaraffenland, beteuerten brav, dass sie ohne die Knute des ökonomischen Zwanges vor die Hunde gehen würden.

Friday, 29.09.2006

Lenin

Die Goldenen Zitronen über Wladimir Iljitsch:
Er rührte an, den Schlaf der Welt mit Worten, die wurden Traktoren. Nun schläft er seinen Schlaf, die Zeit rast wortlos selbst, selbstvergessen. Durch Absperrungen, über das leere Pflaster des roten Platzes in das Dunkel des Schreins. Das weiße Gesicht eines Soldaten, mechanisch den Weg weisend. Nicht stehenbleiben! Plötzlich geblendet in der Halle stehend: Der Glaskasten. Rote Fahnen aus rotem Marmor. Nicht stehenbleiben. Ein kleiner Mann, wie aus Wachs, in einem ungetragenen Anzug. Unwirklich wie ein Pharao. Nicht stehenbleiben. Die Sache hätte klappen können. Mit Terror zu enden allen Terror. Mit Ausbeutung zu beenden die Ausbeutung. Mit einem Imperium zu besiegen den Imperialismus. Schlaft schneller Genossen! Nicht stehenbleiben! Nicht stehenbleiben. Nicht stehenbleiben... . Herausgespült aus der kurzen, hellen Heiligkeit. Liegt an der Kremlmauer unbehelligt: Genosse Stalin, der große Patriot. Verehrt von den großen Patrioten dieser Tage. Er rührte an den Schlaf der Welt mit Worten. Die wurden Elektrizität. Wie zum Spott auf die Idee, des Hirns beraubt, in Scheewittchenhaft gehalten, liegt da die geschrumpfte Hülle eines Giganten.

Thursday, 28.09.2006

Demographische Katastrophe

Zum schröcklichen Untergang der arischen Rasse hat Katharina Rutschky in der taz für mich ganz vernünftige Gedanken geäußert: Sie findet ganz unten bei der Geburtenrate Italien, Japan, Spanien - Portugal und Griechenland sind später noch dazugestoßen: alles Länder, die in ihrer jüngsten Geschichte mörderische, kriegerische, totalitäre und autoritäre Regime durchzustehen hatten.
Und sie vermeldet: "Die Fixierung auf eine "demografische Katastrophe" ist anderen, ebenfalls vom Geburtenrückgang betroffenen Nationen, jedenfalls fremd."

NPD-TV

Viele Leute reproduzieren mit den Medien, die sie konsumieren, ihre Weltsicht. Die einen pflegen ihre allumfassende Paranoia mit Bildzeitung und ZDF. Ich halte mich durch Radio Corax und allerlei linke Zeitschriften im Zustand der revolutionären Kampfreserve, aus dem ich auch sofort in einen Sumpf seniler Gleichgültigkeit versinke, wenn ich mal ein paar Wochen nichts lese und keine Tagung/Demo/Konzert vor mir habe.
Die NPD zieht nach und macht Fernsehen, wie das NPD-Blog berichtet.

Tuesday, 26.09.2006

Zu viel Pabst

Selbst meiner kreuzbraven Fernsehzeitung PRISMA erscheint die Berichterstattung über den Chef einer relativ großen Religionsgemeinschaft etwas überdimensional:
Wenn wir Papst wären, wäre BILD unser Kirchenblatt. Zum Glück sind wir nicht Papst. Wir sind evangelisch, katholisch, jüdisch oder moslemisch. Vor allem aber sind wir, knapp mehrheitlich, eine Nation, die sich keinem Bekenntnis zugehörig fühlt. Wie also kommt das Fernsehen auf die Idee, stundenlang Papst zu übertraqen?

Sunday, 24.09.2006

Cultural Broadcasting Archive

Bei den Radiorevolten wird das CBA aus Österreich vorgestellt, ein paar tausend freie Radiobeiträge in einer Datenbank dazu noch eine nette gaphische Ausgabe, die die Suchergebnisse in einem Schema aus Zeit und Thema darstellt.
Was ein wenig putzig ist: freies Radio und sonstwie alternativ und die grafische Umsetzung in Flash.

Saturday, 23.09.2006

Generation Praktikum

Ich habe mit einer Theaterfrau aus London über den Praktikums-Missbrauch in Deutschland geredet. Sie war am Anfang ganz erstaunt und wusste auch nicht recht, was es bedeuten sollte, dass sich viele Leute in ihrem Theater vorstellten: "Ich mache hier gerade ein Praktikum." Dies sei in England unüblich.

Wednesday, 20.09.2006

Triebwähler

La Deutsche Vita hat bei Frank Schirrmacher neben dem altbekannten Protestwähler noch einen neuen Typ entdeckt: den Triebwähler.

Sunday, 17.09.2006

Doing The Dirty Work?

Als wir anfingen unsere alten Entwicklungshelferbekannten aus Zimbabwe in ihrer westdeutschen Heimat zu besuchen, waren wir anfangs ehrfürchtig erstaunt über deren schöne Behausungen, die sich i.a. vor "Schöner Wohnen" nicht verstecken zu brauchten. Irgendwann wurde dann im dritten Nebensatz immer mal die nette Frau aus Ghana erwähnt, die zweimal in der Woche zum Putzen kommt. Da gibt es jetzt ein Buch über diese Frauen, die den Studienrätinnen und Hauptpersonalrätinnen den Stress abnehmen, entweder selbst zu putzen oder sich mit ihrem Alten um dieses Thema zu streiten. Lesung dazu im VL am 9.10.

Friday, 15.09.2006

Netz-Hype

An allen Ecken und Enden raunt es von Vernetzung und der Freude an horizontalen Strukturen:
  • Deleuzes und Guattaris Rhizom und Negris Multitude
  • Die Aktion "Bewegte Bilder" schickt 1000 Photoalben auf die Reise und will sehen, was am Ende des Jahres daraus geworden ist.
  • Bernadette LaHengst lässt im populistischen Paradies Geldscheine stempeln, um sich dann sicherlich über ihre Verbreitung zu freuen. Where's George lässt grüßen.
  • Bookcrossing

Thursday, 14.09.2006

Geht mir ähnlich

"Wenn ich an mein Leben in der DDR denke, wundere ich mich in einer Mischung von Scham, Heiterkeit und Zorn darüber, was ich so alles mitgemacht habe. Heute, in der Bundesrepublik, wundere ich mich, was ich alles so mitmache."
Gisela Oechelhaeuser

Wednesday, 13.09.2006

Lulu

Auf Spiegel online ein Bericht über Lulu.com eine Book-on-Demand-Plattform bei der das Einstellen des Buches nichts kostet und wirklich erst beim Druck Kosten anfallen.

Monday, 11.09.2006

Werkleitzbiennale 2006

Splitter, die ich nicht vergessen will:
  • Von Walter Benjamin gibt es einen Text: Kapitalismus als Religion.
  • Ein Mann mit kurzen Beinen hat sich vorn an die Arme noch ein paar Krücken geschnallt und spielt einen Affen im Käfig, ahmt Mimik und Körpersprache nach.
  • Chinesische Schriftzeichen an einer Wand. Ein Hund kommt und leckt sie ab. Das ganze wird rückwärts abgespielt, so dass der Hund mit seiner Zunge schreibt und die Grundthesen des Taoismus entwickelt, mit so feinen Thesen wie: "Male is pure, female is turpid. Male is movement, female is tranquility."
  • Katzen fallen immer auf die Füße, Butterbrote mit der Butter nach unten. Was passiert, wenn man einer Katze ein Butterbrot auf den Rücken schnallt.

Sunday, 10.09.2006

Das populistische Paradies

Dann noch Bernadette LaHengst zur Werkleitzbiennale in Halle. Am Freitag gehörte ich nicht zur Zielgruppe von Strom und Wasser. Sie sangen für die Aussätzigen, die Vollzeitrevolutionäre, Boheme und andere drop-outs. Ich fühlte mich leicht deplaziert. Doch bei Bernadette LaHengst war das anders. Vor den Filmkünstlern mit den stylischen Brillen und ein paar zivilen Zuschauern baut sie in einer Video-Performance ihr populistisches Paradies. Nette Kommunikationsguerilla, direct action oder wie das heißt. Ein gutes Gegengift gegen meine Schuljahresanfangs-midlifecrisis-Depression. Hilft mir garantiert, die nächsten paar Wochen gutgelaunt zu funktionieren.

Der Morgen danach

Sind Alk und Mate verflogen ist natürlich ganz klar, wer oder was ich bin. Ein normales Element der bürgerlichen Gesellschaft, als Lehrer an der Reproduktion dieser Gesellschaft beteiligt, genau wie jeder andere Fensterputzer oder Manager. Manche Leute sind mit ihrer Arbeit unzufrieden und schaffen sich in ihrer Freizeit Ausgleich. Sie leben ihre Allmachtsfantasien aus, indem sie über die Natur in ihrem Kleingarten mit totalitärer Gewalt zu herrschen versuchen. Sie saufen, sie reisen, sammeln Briefmarken. Ich latsche auf irgendwelchen Demos mit und konsumiere wunderliche, subversive Kultur. Aber der bürgerlichen Gesellschaft ist meine schröckliche Fundamentalopposition völlig egal. (Solange meine Theorie nicht die Massen ergreift :-) ) Ketzerei und Majestätsbeleidigung werden nur bestraft, wenn man es gar zu arg treibt. Absolute Loyalität bis in die letzte Faser des Hirns wird nicht verlangt. Orwells Gedankenverbrechen bleiben straffrei.

Saturday, 09.09.2006

Ein gewöhnlicher Freitag

Vormittags Leuten, die nichtso gut lesen können, geholfen, einen Text abzuschreiben, dann noch Veranstaltungstechnikern erklärt, was ein Sine-Wave-Dimmer mit Pulsweitenmodulation zu tun hat. Stunden im Klassenbuch aufgerechnet. Im Briefkasten ein Angebot zur Wohneigentumsfinanzierung unter Ausnutzung der "AfA gemäß §10f EStG 2004" geprüft. Am Nachmittag Kaffee von glücklichen Kleinbauern im selbstverwalteten Laden gekauft. Am Abend Straßenfest im VL mit "Strom und Wasser". Sie besangen die Elbe als etwas zwischen Göttin und Punkerin, die sich nach Bären und Adlern sehnt, wütend wird, ihre Zuflüsse und den Regen anruft und über die Ufer tritt. Dann noch zu Ska-Polka-Reggae der Dresdner Blaskapelle Banda Communale umhergehüpft. Wer oder was bin ich?

Friday, 08.09.2006

Wie erwartet

stellt Adobe die Unterstützung für SVG ein. Heise online meint dazu:
Vermutlich ist der SVG-Viewer das erste Opfer der Macromedia-Übernahme durch Adobe. Mit seinem Engagement für Scalable Vector Graphics hatte Adobe seinerzeit aktiv daran gearbeitet, eine freie Alternative zu Macromedias erfolgreichem Webgrafikformat Flash zu etablieren. Mit den Besitzverhältnissen musste sich konsequenterweise auch der Blickwinkel ändern. Getreu dem Motto: Freie Standards sind gut, proprietäre in den richtigen Händen sind besser.

Thursday, 07.09.2006

Bloggertypen

What kind of blogger are you?

Wednesday, 06.09.2006

Tim Berners-Lee über das Web

IT-Frontal brachte mich auf ein Interview mit Tim Berners-Lee.
Da freut sich der Mathelehrer, der auch Webdesign unterrichtet. Gauß, Euler und Einstein sind alle schon tot.

Tuesday, 05.09.2006

Apfelfront

Hab erst jetzt gefunden, dass selbst dem Spiegel die Leipziger Apfelfront aufgefallen ist.

Monday, 04.09.2006

Privatschule für Fundamentalisten

Auf Spiegel-Online gibt es einen Bericht über bayrische Urchristen, die Evolutionslehre und Sexualkunde doof finden. Die haben eine Privatschule für ihre Kinder durchgedrückt. Leute mit weniger Durchhaltevermögen müssen fliehen oder ihre Kinder zähneknirschend der staatlichen Zwangsobhut anvertrauen.

Sunday, 03.09.2006

Spätfolgen

Ja, die meisten haben die Deutschland-WM-Fähnchen wieder abgebaut. Aber ein wenig ist hängengeblieben: In meiner Mitteldeutschen Zeitung auf der Kinderseite: "Dieses Dornröschenbild kam von Alina Bölke (7) aus Thießen -Mochau." Sonne, Mädchen mit Zöpfen und eine Burg geflaggt in Schwarz-Rot-Gold. Das Märchenland bleibt deutsch.

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