Sunday, 20.08.2006

Heimkehr

Unsere Reisen führten uns meist aus dem Jammertal unserer kleinlichen Existenz heraus, sei es um erhabene Naturschönheiten zu bewundern oder um in kolonialem Luxus zu schwelgen. Diesmal war es anders gewesen. Wir hatten ein einwöchiges Inferno aus Schlemmorgien, Technobässen, Meeresrauschen, Hitze und Alkohol hinter uns. Und Halle erschien uns schön. Wir genießen es jetzt noch, still im Wohnzimmer zu sitzen und dem Ticken einer Uhr oder dem Gurgeln des Kühlschranks zu lauschen. Selbst das ferne Tosen des Verkehrs erscheint uns weniger nervtötend als die Dauerdröhnung der letzten Woche.

Die letzte Nacht

Um 3 Uhr sollte der Transfer zum Flughafen gehen. Gegen eins ein letzter Gang durch Albena. Am Strand war es angenehm ruhig geworden. Die kleinen Poolbars und Strandlokale waren geschlossen. Nur die Karaokebar und der Mysteryklub pumpten noch ihre Bässe in die umliegenden Hotels. Im Kulturzentrum neben Reptilienzoo und Kunstausstellung die Shadowbar: Hinter Leinwänden tanzten Frauen mit für diesen Job geeigneten Konturen. Auch die Stände mit den Marionetten, T-Shirts, die Antikfotografen und Portraitmaler hatten geschlossen. Hier ist jetzt der Straßenstrich: "Gut Sex, Blasen, Bumsen im Park 40 Lv. 100 Lv - 1 Stunde im Zimmer mit Massage." (1 € ≈ 1,80 Lv)

All-Inclusive III

Nach ein paar Tagen war etwas eigenartiges passiert. Der Groll des ersten Abends war verflogen. Nicht dass uns das Ambiente plötzlich gefallen hätte. Aber mich hatte eine eindruckslose Leere aus Essen, Saufen, Sonne und Strand befallen. Eine satte Gleichgültigkeit bar jeder Emotion, ohne Traurigkeit, ohne Weisheit, ohne Zufriedenheit. Das komplexe Denken fiel mir schwer, wir haben uns öfter in dem wirklich übersichtlichen Örtchen verlaufen. Wir mussten nur Strandspaziergänge, Mahlzeiten und Abfassen des kostenlosen Alkohols zur Erlangung der notwendigen Nachttaubheit koordinieren. Und damit hatten wir genug zu tun.

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