Saturday, 19.08.2006
Strand II
Am Wochenende fluteten die Einheimischen den Strand. Man hätte diese hässlichen Fotos machen können von den dicht gepackten Menschenleibern, die im Sand lagen und ihre Achselhöhlen bräunten, den Hunderten im Wasser. Aber diese Fotos wären schlimmer als die Wirklichkeit gewesen. Da lagen also auf engstem Raum viele Leute müßig in der Sonne 'rum, lasen, schwatzten, schliefen. Es war eine freundliche Atmosphäre. Natürliche nicht die passende Gelegenheit, um über die Urgewalt des Meeres und das Dasein überhaupt zu sinnieren. Aber trotzdem angenehm. Zumindest empfand ich es so bei unserem Strandspaziergang durch die fröhlich bratende Menge.
10:30
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Plattenbauten
Natürlich sehen aus dem Boden gestampfte Plattenbausiedlungen mit heutigen Augen von weitem oder von oben nicht sonderlich ästhetisch aus. Aber halle-neustadt-erfahrener Zoni, der ich bin, musste/konnte ich die bulgarischen Stadtzentren in Dobrich und Blagoevgrad mit anderen Augen sehen als ein im Gartenzwergdeutschland bei Göttingen oder Heidelberg Sozialisierter. Ich sah große schattige Bäume, unter denen es sich trefflich wandeln ließ. Ich sah Leben auf den Straßen. Dort, wo die realsozialistischen Architekten Geschäfte vergessen hatten, standen Büdchen, gab es Kellergeschäfte mit ihrer Ladentheke 50 cm über dem Boden. Nicht schön, aber wenigstens lebendig und weit entfernt von Schlafstadt.
10:29
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All-Inclusive II
Das Essen war gut, ohne Wenn-und-Aber. Jeder konnte seinen Spleen ausleben. Für den fetten Schlemmer Braten mit Soße, Pommes und Mischgemüse, als Nachtisch süßen Kuchen dazu zwei, drei Bier. Für den vitalstoffbewussten Kalorienzähler Salatberge, Obst und ein Scheibchen kurzgebratenes Fleisch. Das ganze in einer Atmosphäre aus Hektik und Lärm. Internationales Stimmengewirr. Enge Tischreihen, Kommen und Gehen. Die Kellner warfen krachend das schmutzige Besteck in Blechbehälter. Extremer Höhepunkt dieser zutiefst unromantischen Fressorgien war der bulgarische Abend. Über den üblichen Lärm wurde noch ein Dudelsack gelegt.
Aber wahrscheinlich war dies eine national eingefärbte Wahrnehmung. Es waren immer nur deutsche Kleinfamilien oder Paare, die ich verkrampft an ihren Tischen hocken sah, missmutig in die Runde starrend, über die Fehler und Absonderlichkeiten der Anderen tuschelnd. Die russischen, rumänischen oder belgischen Sippen schienen mir wesentlich entspannter. Sie packten sich gemeinsam ihren Tisch voll und dann tafelten sie in aller Ruhe bzw. lauten Fröhlichkeit, steckten sich zwischendurch eine Zigarette an und bliesen ihren Mitessern den Rauch ins Gesicht.
10:24
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