Tuesday, 25.07.2006

Oral History bei Gundermann

Auf dem Soloalbum Torero von Gerhard Gundermann fand ich die folgende Geschichte:
Da stand sie da, so 1945, mit vier Kindern. Die älteste, das war Vorkriegsware. Die drei Jungs waren Fronturlaubshinterlassenschaften ihres Mannes, der kam '45 für ein paar Tage vorbei und verschwand dann für 5 Jahre. Keiner wusste wohin. Wenn sie gewusst hätte, dass er nur ein paar Kilometer entfernt in Bautzen verweilte, hätte ihr das auch nichts genutzt. Und irgendwann hatte sie dann die Nase voll. Sie bekam 27 Mark im Monat, das war der Lohn. Das Haus war kaputt. Die Möbel waren nach der Evakuierung von den Nachbarn gemopst, die hatten nur die Hälfte wieder gebracht. Sie beschloss also mit ihren Kindern ins Wasser zu gehen. Sie standen schon bis zu den Knien im Wasser drin. Da sagte die Große: "Mit mir nicht, ich kann schon schwimmen." Da musste sie wieder umdrehen - und das ist mein Traum: Heute wenn die Alten die Jungen mit ins selbst verschuldete Verderben reißen wollen, dann sagen die Jungen: "Nee, mit uns nicht!" Und die Alten sagen: "Na gut."
Noch stehe ich zwischen den Generationen, distanziere mich empört von der Fraktion: "Ja, ja, früher wollte ich auch die Welt retten." Doch wenn ich ehrlich bin, höre ich mich manchmal auch schon ganz eigenartige Dinge zu den Schülern sagen.

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