Thursday, 20.07.2006

Letzter Schultag

Die grauen, müden Lehrer saßen um den Tisch beim Biere. Die Psychofalten um Augen und Mundwinkel waren wieder ein wenig tiefer geworden. Die meisten haben sich einen Kokon gesponnen aus Diensteifer, Ratenzahlungen fürs Haus, Verantwortung für Kinder - ein Kokon, der Zweifel erstickt und jahrzehntelang am Funktionieren hält. Eine Frau, die letztes Jahr in Rente gegangen gegangen war, war auch mit da. Sie war eine von den besonders grauen gewesen, eine von der man sich sagt: "So willst du nicht enden." Ich habe sie kaum wieder erkannt, so schön war sie geworden. Ihre Augen strahlten, sie wirkte entspannt und gelassen. Sie erzählte von ihrem jetzigen Leben und es klang so, wie wenn sympathische Millionäre aus Beverly Hills erzählen. Mein Nachbar bohrte nach Langerweile und Sehnsucht nach der Schule - doch die Frau konnte mit der gelassenen Überlegenheit des Müßiggängers jeden Angriff zurückschlagen. Nur in der Nacht, da träumt sie von Schlüsseln, verpassten Vertetungsstunden und der Angst vorm Verschlafen.
Nach zwei Stunden Betriebsfeier sah ich sie nochmal kurz. Ihre ganze Haltung, ihre Mimik war durch das Zusammensein mit den alten Kollegen wieder in das alte Deprimuster gefallen. Aber morgen wird sie sicher wieder entspannt durch die Heide wandeln.

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