Wednesday, 26.07.2006

Hamas & Co

Interessante Diskussion über die Hintergründe von Hamas & Co in Che's Warlog.

Tuesday, 25.07.2006

Oral History bei Gundermann

Auf dem Soloalbum Torero von Gerhard Gundermann fand ich die folgende Geschichte:
Da stand sie da, so 1945, mit vier Kindern. Die älteste, das war Vorkriegsware. Die drei Jungs waren Fronturlaubshinterlassenschaften ihres Mannes, der kam '45 für ein paar Tage vorbei und verschwand dann für 5 Jahre. Keiner wusste wohin. Wenn sie gewusst hätte, dass er nur ein paar Kilometer entfernt in Bautzen verweilte, hätte ihr das auch nichts genutzt. Und irgendwann hatte sie dann die Nase voll. Sie bekam 27 Mark im Monat, das war der Lohn. Das Haus war kaputt. Die Möbel waren nach der Evakuierung von den Nachbarn gemopst, die hatten nur die Hälfte wieder gebracht. Sie beschloss also mit ihren Kindern ins Wasser zu gehen. Sie standen schon bis zu den Knien im Wasser drin. Da sagte die Große: "Mit mir nicht, ich kann schon schwimmen." Da musste sie wieder umdrehen - und das ist mein Traum: Heute wenn die Alten die Jungen mit ins selbst verschuldete Verderben reißen wollen, dann sagen die Jungen: "Nee, mit uns nicht!" Und die Alten sagen: "Na gut."
Noch stehe ich zwischen den Generationen, distanziere mich empört von der Fraktion: "Ja, ja, früher wollte ich auch die Welt retten." Doch wenn ich ehrlich bin, höre ich mich manchmal auch schon ganz eigenartige Dinge zu den Schülern sagen.

Monday, 24.07.2006

Parallelwelt

Dann noch ein Ausflug zur KoWa in Waltershausen. Abschlussfest eines Ost-West-Projektes. Ja ich hüpfe mit weißer Maske, Trenchcoat und Banane als Investor auf der Bühne herum, weise einem Zoni die Richtung, der sich gerade erhebt und die neuen Möglichkeiten der Wenderzeit erahnt und spiele ein wenig Theater. Aber das ist nebensächlich.
Ich genieße ein Wochenende mit Leuten, mit denen ich auf einer Wellenlänge liege, denen ich mich verwandt fühle. Und es ist kein Einführungsseminar, sondern ich bin einfach ein Gast. Keine langweiligen Diskussionen über gemeinsame Ökonomie und Konsens.
Wann immer die große Frustdiskussion bei Ja-was-soll-man-denn-tun anlangt, habe ich mein Ass im Ärmel: die paar hundert Leute in deutschen Kommunen, die paar tausend auf der ganzen Welt.

Sunday, 23.07.2006

Die Zonis wandern aus

Drei Medienfunde/Erlebnisse der letzten Woche.
  • Eine bunte Zeitung beschreibt die erfolgreiche Auswanderung einer kinderreichen Arbeiterfamilie aus Berlin nach Norwegen.
  • Der MDR berichtet über die erfolgreiche Auswanderung einer kinderreichen Arbeiterfamilie aud Bitterfeld in die Niederlande.
  • Das Arbeitsamt berät uns über die berufliche Zukunft unseres Sohnes, der vielleicht sogar einen Hauptschulabschluss schafft: "Also hier im Osten gibt es für Hauptschulabgänger keine Lehrstellen, hier nimmt man selbst für VerkäuferInnen Leute mit Abitur. Bringen Sie ihm bei, wie man selbständig einen Haushalt führt. Im Westen hat er vielleicht eine Chance."

Saturday, 22.07.2006

Zick-Zack-Scheitelkamm

Zwar unter Netzfund eingeordnet, aber dieses ultimative Zusatz-Konsum-Produkt habe ich natürlich nicht bei der Online-Recherche nach Haarwuchsmitteln gefunden, sondern es ist mir im wahren Leben im Schaufenster eines Friseurs aufgefallen.

Friday, 21.07.2006

Heißer Sommer

auf meinem Balkon. Die Kirchenleute zwei Häuser weiter singen. Es klingt wie "Schlaf Kindchen, schlaf, dein Vater ist ein Schaf." Die dicke Frau aus dem Nachbarhaus sitzt in eine Wanne gezwängt und übergießt sich mit Wasser. Wir haben ordentlich das Blech unseres Balkons abgedeckt, damit es keine Brandblasen an den Füßen gibt.

Thursday, 20.07.2006

Letzter Schultag

Die grauen, müden Lehrer saßen um den Tisch beim Biere. Die Psychofalten um Augen und Mundwinkel waren wieder ein wenig tiefer geworden. Die meisten haben sich einen Kokon gesponnen aus Diensteifer, Ratenzahlungen fürs Haus, Verantwortung für Kinder - ein Kokon, der Zweifel erstickt und jahrzehntelang am Funktionieren hält. Eine Frau, die letztes Jahr in Rente gegangen gegangen war, war auch mit da. Sie war eine von den besonders grauen gewesen, eine von der man sich sagt: "So willst du nicht enden." Ich habe sie kaum wieder erkannt, so schön war sie geworden. Ihre Augen strahlten, sie wirkte entspannt und gelassen. Sie erzählte von ihrem jetzigen Leben und es klang so, wie wenn sympathische Millionäre aus Beverly Hills erzählen. Mein Nachbar bohrte nach Langerweile und Sehnsucht nach der Schule - doch die Frau konnte mit der gelassenen Überlegenheit des Müßiggängers jeden Angriff zurückschlagen. Nur in der Nacht, da träumt sie von Schlüsseln, verpassten Vertetungsstunden und der Angst vorm Verschlafen.
Nach zwei Stunden Betriebsfeier sah ich sie nochmal kurz. Ihre ganze Haltung, ihre Mimik war durch das Zusammensein mit den alten Kollegen wieder in das alte Deprimuster gefallen. Aber morgen wird sie sicher wieder entspannt durch die Heide wandeln.

Wednesday, 19.07.2006

Border Games

Die spanische Künstlergruppe Fiambrera Obrera hat in Madrid mit jungen Marrokanern das Computerspiel Border Games entwickelt.

Tuesday, 18.07.2006

Elephants Dream

Das Orange Open Movie Projekt hat den Kurzfilm "Elephants Dream" herausgebracht. Der Film wurde fast nur mit freier Software, hauptsächlich Blender, erstellt. Ton Rosendal von der Blender Foundation gab den englischen WikiNews ein Interview.
Auf jeden Fall sehenswert. Die Downloads fangen bei 99 MB an.

Monday, 17.07.2006

Jesus war ...

Henriette hat was nettes über Jesus gefunden. War er nun schwarz, eine Frau oder Italiener oder ... ?

Sunday, 16.07.2006

Sachsen-Anhalt-Tag

Wir feiern das "riesige Volksfest" im Wittekind-Bad. "Damals" schlurften wir mit weißem Umhang und Kleinkind auf dem Arm durch die Salzschwaden, die Chemiedreieck-Bronchities zu beschwichtigen. Heute ist die Kuranlage eine Ruine von vielen. Wie beim Peißnitzhaus gibt es einen Verein, der sich ehrenamtlich gegen Verfall und Schrumpfung stemmt.
Im Programm gab es eine Modenschau. Im Hintergrund Graffiti auf bröckelndem Putz. Im Vordergrund die Freizeit-Modells in ungewohnten High-Heels, die Wadenmuskeln verkrampft. Lächerlich - unerotisch staksend. Die Künstlerin selbst gönnt sich absatzlose Schuhe.
Hinterher sehen wir noch eine Frau, die die Kleider vorgeführt hat, auf ihrem Nachhauseweg. Jeans und T-Shirt und ein 30-er Jahre Kopf mit gegeltem Haar, verlängerte Wimpern ragen aus dem Gesicht. Sie darf sich wieder normal bewegen, schiebt ein altes Fahrrad mit Kindersitz.

Saturday, 15.07.2006

Wellness in Salzmünde

In meiner Lokalzeitung MZ immer wieder Neuigkeiten von den mindestens 2000 Jahre alten Ausgrabungen in Salzmünde. Heute hat mir besonders folgender Satz gefallen:
Die Leute waren erstaunlich gesund. Und Verletzungen müssen gut versorgt worden sein.

Chauffeur

Der stocknüchterne Papa fährt drei Schulabgänger und -abgängerinnen nach ihrer allerletzten Schulveranstaltung nachhause. Das stinkt aber ziemlich, wenn man so drei beschwipste und eingeräucherte junge Erwachsene durch die Nacht fährt.

Thursday, 13.07.2006

Amerikanische Liberalität

Bush besucht Mecklenburg-Vorpommern und testet schon mal Heiligendamm. Dass der lokale SPD-Ministerpräsident Bush brav begrüßen wird und sein Linkspartei-Partner auf einer Protestkundgebung sprechen wird, ist nicht besonders spannend. Auch das mediale Getöse, führenden Politikern sei es nicht gestattet, gegen einen Staatsbesuch zu protestieren, kommt nicht unerwartet.
Was mir eine gewisse Sympathie für das ehrlichere Ami-System entlockt, ist die Einstellung des amerikanischen Botschafters zu diesem Sturm in der Provinz: der hält solche Demonstrationen und solche Meinungsbekundungen für völlig legitim. Hat zumindest Wolfgang Methling von der Linkspartei so gelesen.

Tuesday, 11.07.2006

Oral History 2

Die Urgroßmutter war sparsam. Auf der Leine hing geflickte Bettwäsche. Die durchgescheuerten Stellen in der Mitte des Lakens wurden fein säuberlich repariert. Als sie starb fand man ihre Schränke voll neuer ordentlich gefalteter Wäsche. Jahrzehnte hatten bei ihr Handtücher im Schrank auf ihre Benutzung gewartet. Nun waren sie unbenutzbar, weil sie an den Falten morsch geworden waren und zerfielen.

Monday, 10.07.2006

Oral History 1

Damals in der Zone. Hinten bei der Möbelfabrik fuhren die großen LKWs von Quelle vor und wir sind ewig nach so einem kleinen Tisch rumgerannt.

Sunday, 09.07.2006

Nach dem Spiel

Erwischt. Schon wieder Fußball geguckt. Aber wie Angela Merkel nach dem Spiel interviewt wurde, das muss einfach Erwähnung finden. Sie stand vor dieser Wand mit den vielen Logos von CocaCola und den anderen Sponsoren. So wie sonst die Profisportler, die von diesen Firmen ihr Geld kriegen. War entlarvend komisch - wie die Oberregierende vorgeführt wurde wie sonst die am Tropf der werbenden Industrie hängenden Gladiatoren der Neuzeit.

Saturday, 08.07.2006

5-Stunden-Woche

Es ist doch beruhigend, dass die Welt voll ist von Weltverbesserern, die nicht müde werden, nachzurechnen, dass eigentlich genug für alle da ist.

Friday, 07.07.2006

Zivilisation

Die Kleingeldprinzessin singt in ihrem Lied "Immer die Andern" einen schönen Satz:
Zivilisation ist die ständige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten.
Ich denke da an das Einstellen des Spamfilters fürs Blog, das Blog selber, Fahrradschlösser, Türspione, Krankenkassen, TAN-Listen, Schallschutzmauern, Freistellungsanträge... Was haben wir alles erreicht.

Thursday, 06.07.2006

Pure Vernunft

Letztens gab es bei mir in der Küche mal wieder Tocotronic:
pure vernunft darf niemals siegen
wir brauchen dringend neue lügen
die uns durchs universum leiten
und uns das fest der welt bereiten
die das delirium erzwingen
und uns in schönsten schlummer singen
die uns vor stumpfer wahrheit warnen
und tiefer qualen sich erbarmen
die uns in bambuskörben wiegen
pure vernunft darf niemals siegen
Passte für mich in diesem Moment zur Fußball-WM.

Wednesday, 05.07.2006

Das Buch vom Klauen

Buchlesung unter den großen Kastanienbäumen im VL. Jörg Sundermeier vom Verbrecherverlag kommt einen Zug später und liest drei Stücke aud dem "Buch vom Klauen". Wir hören was von Gisela Elsner, Ludwig Lugmeier, dem prominenten Bankräuber, und von Jörg Schröder vom März-Verlag.
Lugmeier plaudert in kurzen Sätzen aus dem Knast, Elsner von einem Hausmann, seiner geld-erfolgreichen Frau und seinem abgewrackten Vater, von dem er beklaut wird. Bei Jörg Schröder geht es um Jörg Schröder, der Text war etwas ungeeignet zum Vorlesen.

…read more…

Tuesday, 04.07.2006

Die Leiden des jungen Werther

Im Puppentheater gab es die Leiden des jungen Werther. Ich habe das Teil damals noch hinter der Mauer intesivst gelesen. Der Text war mir noch sehr geläufig.

Monday, 03.07.2006

kleine Warenproduktion

Dann war da noch die Frau, die in Purtugal gelebt hatte. Sie hat mit Schmuck aus Stecknadeln angefangen. Später auch aus Messingdraht. Und Makramee. Im Winter hat sie Pullover gestrickt. Das war nicht gut für die Handgelenke, das merke sie noch heute. Das Zeug wurde an Touristen verkauft. Die Briten mochten besonders die Armbänder. "I take 10," sagten sie. Die Frau fasste ihre Erlebnisse zusammen:"Da habe ich erlebt mit wie wenig Geld ich auskomme. Seitdem habe ich keine Existenzängste mehr."

[←newer posts] [older posts→]