Friday, 30.06.2006

Eine andere Welt

In der Contraste vom Juni gibt es einen Bericht über 5 Jahre Villa Locomuna. Er endet mit dem wunderschönen Satz:"Eine andere Welt ist nicht nur möglich - es gibt sie schon." Ein herrlicher Schlag gegen die ehrbaren Attacies mit ihren Verbesserungsvorschlägen für die den Kapitalismus Organisierenden.

Thursday, 29.06.2006

Hammer und Zirkel im Ährenkranz

Gestern habe ich zwei DDR-Fahnen in der unverkrampft Schwarz-Rot-Gold geflaggten Stadt entdeckt.

Wednesday, 28.06.2006

Rätsel

Was ist das: Es ist schwarz-rot-gold und riecht nach Fisch:

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Tuesday, 27.06.2006

Der Wirtschaftsboss

Im Fernsehen aufgeschnappt. Ein hoher Typ aus der Wirtschaft äußert sich zu Merkel&Co. Sein Satz beginnt mit:"Ich erwarte von der Regierung, dass..." Man stelle sich einen Hartz-IV-Empfänger vor:"Ich erwarte von der Regierung, dass ... ich nicht als Parasit bezeichnet werde, dass ich nicht zur Zwangsarbeit verpflichtet werde."

Monday, 26.06.2006

Cabaret

Dann gab es noch Cabaret in der Oper. 30-er Jahre. Die Nazis formieren sich. Wie immer, wenn man sich mit der Tucholsky-Zeit auseinandersetzt, diese Erkenntnis, dass sich viele Veränderungen nur an der Oberfläche abspielen. Zwei Szenen waren besonders deutlich: Ein Schriftsteller bezog sein Zimmer und stellte sein Produktionsinstrument, seine Schreibmaschine auf den Tisch. Die Leute nutzten die neueste Kommunikationstechnik, Tischtelefone, zum Flirten - Laptop und Handy.

Sunday, 25.06.2006

Sonntagmorgen

Das alte Ehepaar frühstückt behäbig auf seinem Balkon. Zwei Etagen tiefer fällt der entscheidende Satz:"Mama, aufsteh'n!" Ein kleiner Junge gibt von nun an die Richtung vor. Das alte Ehepaar lächelt weise und schlürft Kaffee:"Ach, geht es uns gut." Ihr großer Junge schläft noch tief und fest, wird erst Stunden später Aufmerksamkeit und Zeit einfordern. Doch der Sonntagmorgen gehört ihnen.

Fußballfreie Oase

Nach dem Achtelfinale. Fahnengeschmückten Balkone, hupende Autos, trunkene-siegestrunkene Menschen in Schwarz-Rot-Gold gehüllt. Ganz Deutschland im Fußballtaumel. Ganz Deutschland? Im Garten des VL findet man Zuflucht. Keine Fußballwimpel schmücken den Tresen. Kein Hinweis auf die Live-Übertragung der WM. Unter alten Kastanienbäumen sitzt man in einem Dickicht aus wildem Wein, geborgen wie in einer Burg. Kein grelles Licht, nur die Sterne. Im Hintergrund dezente Punkmusik. Nur leise von weit her aus den kleingärten unverkrampfte "Deutschland"-Rufe.

Saturday, 24.06.2006

Brief eines Genossen

In Che's Warblog gibt es einen garstigen Alles-Scheiße-Text, der mir so ganz aus dem Herzen spricht:
Ich habe schon häufig davon gesprochen, dass die Exekutoren, unsere Politiker, des Willens jener, welche in den Schlüsselpositionen der Wirtschaft Macht ausüben, uns auf deren Geheiß, in Zeiten zurückführen werden, die noch vor der Zeit anzusiedeln sind, in welcher der Kanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, aus lauter Angst vor dem Zorn des Proletariats, Segnungen, wie die Sozialversicherung, über selbes ergoß, um die Revolution in Deutschland zu verhindern. Dies ist scheinbar nicht mehr notwendig, Alternativen haben sich mit dem Scheitern des Kommunismus in Osteuropa erledigt, eine Analyse desselben ist eher störend und nun frönt man der Restauration...

Friday, 23.06.2006

Fairsharing


Die Initiative "Fairsharing - Die Kulturflatrate" setzt sich für die Legalisierung von Filesharing bei gleichzeitiger Einführung einer Kulturflatrate ein.
Interessant sind die zum Thema zusammengetragenen Fakten, etwa dass nur sehr wenige Musiker vom Verkauf von CDs leben sondern eher von Live-Auftritten. Unbekannten Bands ermöglicht das Filesharing einen höheren Bekanntheitsgrad.

Thursday, 22.06.2006

Verstädters Gehirn

Heute rannte ich durch den grünen Wald. Ich erfreute mich an den grünen Pflanzen. In einem unkonzentrierten Augenblick traf die Sinneszellen meiner Augen das Licht einer entfernten Pflanzengruppe. Das Gehirn hatte nur kurz Zeit die flüchtig aufgefangenen Reize zu verarbeiten. Und was spuckt die Mustererkennung aus: die in der Sonne funkelnde Heckscheibe eines Autos. Mitten im Wald, auf der Rabeninsel, im Naturschutzgebiet.

Wednesday, 21.06.2006

Graffiti

Zwei Meinungen. Auf der einen Seite Peter Sodann, Tatortkommissar Ehrlicher, der Graffiti als einen Ausdruck des "gewöhnlichen Faschismus" bezeichnet und auf der anderen Seite geradezu poetische Worte auf Banksys Seite:
Imagine a city where graffiti wasn't illegal, a city where everybody could draw wherever they liked. Where every street was awash with a million colours and little phrases. Where standing at a bus stop was never boring. A city that felt like a living breathing thing which belonged to everybody, not just the estate agents and barons of big business. Imagine a city like that and stop leaning against the wall - its wet.

Rückständiges Bayern

Wir überholen, ohne einzuholen. Bayern scheint die Gentechnik zu verschlafen:
CSU-Generalsekretaer Markus Soeder habe Freilandversuche als Problem bezeichnet. Auch der Bayrische Bauernverband hat Mitte Mai seine bisher weiche Haltung zur Agro-Gentechnik revidiert und rät Landwirten dringend ab, Gentech-Pflanzen anzubauen.
Wie viel besser sieht es doch da bei uns aus:
Kommerzielle Anbauflaechen sind jetzt fast ausschliesslich in den neuen Bundeslaendern zu finden.
Quelle

Tuesday, 20.06.2006

Fußball

Jeder sieht mit seinen Augen. Aus einer unverkrampft beflaggten Wohnung dringt während des Spiels Deutschland-Ecuador überschwänglich die Freude über das erste Tor: "Neger, ihr könnt nauch Hause fahr'n!"

Friday, 16.06.2006

Faule Arbeitslose?

"Sagichdoch!" hat schöne Analysen zum Thema "Arbeitsscheu" rausgepickt:
Erstens eine Studie, die belegt, dass die Story vom faulen Arbeitslosen regelmäßig in Krisen- und/oder Wahlzeiten ausgegraben wird. Rausgefunden haben's kreuzbrave Sozialwissenschaftler.
Zweitens eine gruselige Übereinstimmung der Definition von "arbeitsscheu" 1938 und von "arbeitsunwillig" heute.

Wednesday, 14.06.2006

Hermann Kant - kurz und knapp

In meiner überparteilichen und unabhängigen Tageszeitung mz ein Interview mit Herrmann Kant. Unter anderem:
Herr Kant, worin unterscheidet sich der 80-jährige vom 70-jährigen Herrmann Kant?
Kant: Der 80-jährige spürt die letzten 10 Jahre stärker, als der 70-jährige die vorausgegangenen 70 spürte.
Mit dem Tod von Helmut Sakowski, der unweit von Neustrelitz lebte, wird es noch stiller um sie geworden sein. Sind Sie ein einsamer Mensch?:
Kant: Auch ein Grund, Altern nicht Glück zu nennen. Ansonsten bin ich so wenig ein einsamer Mensch wie ein heimatloser Linker. Ich bin ein Linker - das ist nicht einsam.
Sie sind ein passionierter Kinogänger. Haben Sie den vieldiskutierten Film "Das Leben der Anderen" gesehen?
Kant: Wegen des Vorschusslorbeers bin ich nicht hingegangen. Jetzt genieße ich den Sommer vor meinem Balkon.

Sunday, 11.06.2006

Frau Fragmente

hat einen schönen Satz gesagt für alle Leute, die beruflich und/oder familiär mit Menschen umgehen, die keine Kinder mehr sind:
Ich sollte mich nicht immer so ernst, so wichtig nehmen, denke ich. Denn die Erwachsenen sind nur Kondensstreifen am Himmel der Jugendlichen. Das ist auch richtig so.

Saturday, 10.06.2006

LTI und Fußball

Klemperers LTI hat mich verseucht oder einfach nur sensibel gemacht. Straßenbefragung zur WM in meiner Mitteldeutschen Zeitung:
"Ich fiebere der WM sehr entgegen." - Früher war ein Mensch, der fiebert, sehr krank.
"Unserer Truppe traue ich das Halbfinale zu." - Zieht Deutschland in den Krieg?
"Mein Traum: Ein Finale Brasilien gegen Deutschland." Wer davon träumt...

Friday, 09.06.2006

Meine Rettung durch Radio Corax

Ach hatte ich mich wieder gegrämt auf meinem Schwarz-Rot-Goldenen Horrortrip durch die Kaufhalle: Kaffeetassen, Plakate, Würste, Mützen, Socken, Käsetüten alle feiern Fußball.
Doch zuhause hat mich Radio Corax gerettet und auf die Story von den "Ten German Bombers" aufmerksam gemacht. Völlig schräg und wunderlich die deutsche Technoversion dazu etwa so wie seinerzeit der Wahlwerbespot der Pogopartei. Aber ein gutes Gegengift gegen den fußballernden Deutschlandwahn im Supermarkt.

Tuesday, 06.06.2006

Buchenwald

Ich fuhr mit dem Rade durch einen frisch begrünten Buchenwald. Die Strukturen dieses Waldes versetzten mich für kurze Zeit in einen "om"-seeligen Zustand der Erhabenheit. Es war ein Buchenwald mit alten und jungen Bäumen, die Kronen verdeckten den Himmel. Die Bäume bildeten aber kein langweiliges gotisches Gewölbe, sondern eine weite, deterministisch-chaotische,
räumliche Struktur. Perfekt harmonische Unordnung - wie das Tosen der Brandung am Meer. Nur dass ich mich innerhalb dieser Struktur befand. Soweit das Auge reichte (und es reichte weit) die dicken und dünnen Stämme, die Äste mit den grünen Blättern, die oben den Himmel verdeckten aber auch weiter unten in den Raum ragten. Dazu ein grünes Dämmerlicht - den Augen wohltuend. Und mir viel ein, wie armselig die Welt ist, die wir uns geschaffen haben, bestimmt von rechten Winkeln und einfachen geometrischen Strukturen.

Monday, 05.06.2006

Freiheit?

Aus der Werbung für Bundeswertpapiere:
Ihr Mann sehnt sich nach Freiheit und Abenteuer.
Dann können Sie gemeinsam im Kino "Easy Rider" anschauen.
Oder die Route 66 abfahren.
Da bedankt sich das diktaturverkrüppelte Zonenkind für dieses feine Beispiel, was Freiheit in der Bundesrepublik Deutschland bedeutet.

Friday, 02.06.2006

Iran und die WM

Endlich mal ein klares Zeichen gegen den Israelhasser und Holocaustleugner Ahmadinedschad. Natürlich nicht von Regierung, EU oder FIFA. Die verhängen lieber Sanktionen gegen Leute wie Lukaschenko, der seinen Leuten weder Demokratie noch marktwirtschaftliche Verelendung gönnt.

Thursday, 01.06.2006

Nicht-Sponsoren verboten

Die Informationsguerilla hat zugeschlagen. Auf einer gefakten Seite der Stadt Köln gibt es Hinweise für die Anwohner:
Liebe Fussballfreundinnen und - freunde, bitte helfen sie der Stadt Köln sowie unseren Partnern aus der Wirtschaft und sehen sie daher in der Zeit der Weltmeisterschaftsspiele davon ab, Markenzeichen von Nicht-Sponsoren öffentlich, vor allem aber innerhalb der kontrollierten Zone (Bannmeile), zu tragen. Dazu zählen Bild- sowie Wortmarken wie z.B. Logos, Signets, Markenzeichen und Schriftzüge.
Zum Vergleich das Original. Und die Leute sind richtig gut, haben ihre Seite anonym in den USA registriert.

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