Sunday, 28.05.2006
Das Leben der Anderen
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Comments
frau.ke / 29.05.2006, 08:41 / Link
Hallo, ich bin im Westen geboren und hatte praktisch keinerlei Kontakt zu Menschen in der damaligen DDR. Auch was ich in der Schule erfahren habe (ich habe die Schule schon vor '89 beendet), war eher dürftig. Ich habe den Film gesehen und empfand ihn als Antwort auf viele meiner Fragen.
Vielleicht fragen die Leute nach Ihrer Meinung, weil ihnen vieles so unglaublich erscheint. Mich würde Ihre Meinung aber auch interessieren. Ich hoffe, ich klinge jetzt nicht auch irgendwie wohlwollend.
reaper / 29.05.2006, 10:19 / Link
Das Leben der anderen, ich habe viel über den Film gelesen, hab mir die Trailer angesehen und für mich beschloßen das ich ihn nicht ansehen werde.
Warum? Nun der Film spielt in einer Welt die von den heutigen Neumenschen nur schwer nachzuvollziehen ist. Ich selbst bin aus der DDR herrausgewachsen, noch bevor ich das rote Halstuch tragen durfte wurde mir gesagt das ich jetzt neue Herren hätte, im Geschichtsunterricht wurde mir erklärt das die Geschichte meines Geburtslandes zu frisch seie und deshalb nicht behandelt würde. Und dann kamen die Filme einer nach dem anderen, Sonnenallee, Good bye Lenin... Alles samt Filme die ihren Spaß mit einem höchst ernsthaften Konzept trieben. Aus der Vergangenheit wird Kult, wird Spass gemacht. Das negative ins lächerliche überspitzt und das positive geflissentlich ignoriert.
Und jetzt kommen Filme wie "Das Leben der anderen", hier wird nun vor einer ernsthaften Kulisse die Statssicherheit demonstriert und der Bürger der unter Sozial das Neoliberale gewäsch der SPD versteht denkt sich oh so war das also, alle wurden bespitzelt, alle waren Staatsfeinde. Das betrifft nicht nur "die aus dem Westen" sondern viel schlimmer die aus dem Osten, die sich den Klamauk aus der Vergangenheit reinziehen und sich der neuen Reisefreiheit freuen, während sie mit Hartz IV auf dem Balkon den Urlaub verbringen.
Ich für meinen Teil sehe in dem Film aber etwas anderes, ich sehe keine historische Reportage, sondern vielmehr einen Realitätsabgleich. Ich sehe hier die Gegenwart und die Zukunft. Wenn auch nicht direkt gehen mir wenn ich Kritiken zum Film und Inhaltsangaben lese RFIDs, Biometrische Ausweise, Maut-Brücken und Videokameras durch den Kopf. Da denke ich an Vorratsdatenhaltung und Verbindungsdatenspeicherung und überlege mir ob man in dem Film nicht einen letzten verzweifelten Aufschrei sehen sollte vor dem entgültigen Datenkollaps. Eine letzte Warnung bevor wir da landen was der Film demonstriert, vor dem was Orwell schon in 1984 vor fast 70 Jahren beschrieb.
Aber wir leben in einer Welt wo alles was die Medien publizieren Wahrheit und das Wissen der Massen aus der Wahrheit gewonnenes Halbwissen ist. Und ich kann nur hoffen das Blogger nicht schon bald ruhig gestellt werden...
Blauer Büffel / 30.05.2006, 13:44 / Link
Stimmt, die jungen Zonis hab ich ganz vergessen. Die/Du kennen/kennst die DDR nur aus den Gesängen der Alten. Und die stellen die Vergangenheit so dar, dass deren eigenes Handeln in strahlendem Licht erscheint. Und dann kommen die Historienfilme "Sonnenallee" und "NVA" dazu, das Schwarzbuch des Kommunismus, Gulag und Weltfestspiele. Was bleibt, ist eine Instrumentalisierung der Geschichte, so dass die Gegenwart, der Kapitalismus als einzig mögliche Gesellschaftsordnung erscheint.
Die Logik: jetzige Verhältnisse unmenschlich und genauso veränderungsbedürftig wie vor 100 oder 1000 Jahren, Experiment Realsozialismus fehlgeschlagen, gehe zurück zum Anfang und suche nach neuer Lösung ist selten.
20:45 / Link / 3 Comments
