Wednesday, 31.05.2006

Feinstaub

Die MZ meldete heute unter der Überschrift "Land kapituliert vor Feinstaub-Belastung":
In Sachsen-Anhalt werden in mindestens vier Städten erneut die Feinstaub-Grenzwerte der EU überschritten. Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) sieht wenig Möglichkeiten, dies zu verhindern.
Und dabei wurden in Halle vor und hinter der Messstation Tempo-30-Schilder aufgestellt und immer mal die Straße mit Wasser besprüht. Mehr kann doch wirklich verlangt werden, um die Gesundheit von Leuten zu schonen, die ständig in der Stadt leben.

Tuesday, 30.05.2006

Satt und depressiv

Auf Telepolis gab es heute einen schönen Artikel im Sinne von "Du hast keine Chance, nutze sie":
Die wirtschaftliche Dynamik in den kapitalistischen Industriestaaten lebte im 20. Jahrhundert von der massendemokratische Verbreitung vormals elitärer Komforttechniken, wie Kommunikation über weite Distanzen, Fernreisen, Zentralheizung, elektrische Beleuchtung etc. Diese Dynamik erlahmt. Die Reichen und Superreichen verfügen kaum noch über technologische Privilegien, die verallgemeinert werden könnten. Damit flieht die ökonomische Dynamik aus den Industriestaaten der Triade (Westeuropa, USA, Japan) und geht über auf Schwellenländer wie die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, China, Indien) und die Mittelosteuropäische Staaten (MOE) des ehemaligen Sowjetreiches. Diese wiederholen im Weltmaßstab den ökonomischen Prozess der Wohlstandssteigerung für die Massen, der im 20.Jahrhundert dem Westen vorbehalten schien.
Das ganze passt sehr schön zu "Forces of Labor" von Beverly J. Silver, wo aus ähnlichen Gründen eine Saure-Gurken-Zeit für die erste Welt prophezeit wird.

Monday, 29.05.2006

meonly ist verschwunden

Ja, ja das Alter. Häuser, in denen man mal gewohnt hat, verfallen und werden abgerissen. Alterwürdige Bäume unter denen man mal wandelte werden gefällt und durch ganz kleine ersetzt.
Und erst die Blogger. Ein paar Wochen nicht so intesiv die Lieblingsblogs gelesen und schon ist jemand verschwunden. Nur noch letzte Spuren im Cache von google oder im Internetmuseum. Iris Bleyer mit ihrem Blog meonly hat sich verflüchtigt.
Ein schales Gefühl, so etwa wie in der Straßenbahn. Man sitzt da immer mit den selben Leuten - und plötzlich fehlt einer. Die Frau von Gegenüber, die man immer grüßte, ist irgandwann verschwunden.

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Sunday, 28.05.2006

Das Leben der Anderen

Dreimal hab ich jetzt schon wohlwollende Westdeutsche getroffen, die mich als Zeitzeugen nach dem hochgelobten Film Das Leben der Anderen befragt befragt haben. Eigentlich hatte ich keine Lust auf diesen Film. Mal sehen, ob ich ihn noch nachschiebe.

Thursday, 25.05.2006

Zwillinge

Eine Sendung über Zwillinge. Bei einer Frau wird das Blut untersucht. Man findet Y-Chromosomen, die bei einer Frau nichts im Blut zu suchen haben. Was folgt sind genaueste Tests, Gewebeproben... Der Spezialist spricht: "Bei dieser Patientin...." Wieso Patientin?

Monday, 22.05.2006

We feed the world

Die Gutmenschen verstopfen den Fußweg mit ihren klapperigen Fahrrädern. Rotweinschlürfend füllen sie das ganze Puschkino. Es gibt "We feed the world".
Nichts neues. 800 Millionen Hungernde. Kapazitäten für 12 Milliarden Menschen. Der Sojaanbau für europäische Schweine verschlingt den brasilianischen Urwald und die Afrikaner, die in Spanien die Tomaten pflücken, hausen in verlassenen Gewächshäusern...
Und doch kann sich das mediale Trommelfeuer eines Dokumentarfilms im Kino wenigstens ein paar Tage ins abgestumpfte Hirn brennen. Die minutenlangen Luftaufnahmen der spanischen Gewächshäuser oder der brasilianischen Sojafelder. Leinwandfüllende Berge von vernichtetem Brot und der böse Spruch:"Jedes Kind, das heute verhungert, wird ermordet."
Mir gibt der Film Kraft allen Unkenrufen und Spötteleien zum Trotz weiter meinen Zapatistenkaffee und die Bananen von glücklichen Kleinbauern zu kaufen.

Thursday, 18.05.2006

Alter schützt vor Courage nicht

Das macht Mut. 18 Großmütter in New York, die älteste 91, blockierten ein Rekrutierungsbüro, um gegen den Irakkrieg zu protestieren.

Wednesday, 17.05.2006

Oxygenien

Ach ja das gute alte Buch von den Rüsselträgern. So ein alter, kommunistischer Science-Fiction, der auch noch in Beziehung zu THX-1138 steht. Auf einem ökologisch verseuchten Planeten gab es drei Kasten...

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Tuesday, 16.05.2006

Blutspenden

Blutspenden ist eine angenehme Sache. Nicht nur wegen dem Schub von Hormonen und Botenstoffen, die mich für ein paar Stunden in beste Laune versetzen. (Der alte Aderlass aus dem Mittelalter lässt grüßen.) Nein es ist vielmehr das drumherum.

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Monday, 15.05.2006

Blogger for Katja5

Die Programmzeitschrift rtv sucht eine Frau fürs Titelbild. Da haben sich die Blogger zusammengetan, eine demokratische Voting-Lawine losgetreten und Katja5 auf den Thron gehoben. Das ist doch mal eine nette Geschichte gegen den Schönheitswahn.
Aber leider wird es wohl kein Happy-End geben. Das Finale der ersten 10 wird per Bezahl-Telefon entschieden.

Saturday, 13.05.2006

Tierschützer

Vor meinem Haus steht ein Auto. Hinten drauf sind zwei Aufkleber. Einer vom Tierschutzverein Halle: Zwei schützende Hände legen sich um ein kindchen-schematisches Kaninchen. Dan noch die Siluette eines Stierkampfes, dem ein trutziges "No!" entgegengesetzt wird. Am Handschuhfach klebt folgende Botschaft:"Schlüpfer aus, anschnallen, Schnautze halten!"

Friday, 12.05.2006

Delfine, Elefanten, Affen und Menschen

Delfine rufen sich mit Namen. Sie haben Kultur: Manche bringen ihren Kindern bei, wie man Werkzeuge benutzt. Wale mit ihren Gesängen haben eine wechselnde Chartliste und komponieren immer neue Lieder. Elefanten rollen andächtig die Knochen ihrer verblichenen Verwandten hin und her. Schimpansen führen Kriege und knacken Nüsse in unterschiedlichen Gegenden mit unterschiedlichen Methoden.
Die Sonderstellung, die die Bibel dem Menschen zuschreibt und die wir auch noch von Marx gelernet haben, scheint immer weniger den Tatsachen zu entsprechen.

Thursday, 11.05.2006

Willi Sitte II

Dann noch ein Interview in einem Buch zu seinem "Herrn Mittelmaß", diesem Typen, dem der alte Mann schon oft begegnet ist, besonders in den 30ern, nach dem Krieg und der Wende. Er beschreibt den Verlust von vielen Freunden nach der Wende, dass er kaum mehr Verbindungen zu Künstlern im Osten hat. Und:"... ich habe viele neue Freunde gewonnen. Im Westen."
Das kenne ich. Meine alten Hochschul-Parteigruppen-Kollegen sind schlipsbekofferte Unternehmer oder gestresste Hausverkäufer geworden. Oder sie sind sich treu geblieben, wurden mit Berufsverbot belegt und leben im Ausland.
Wenn ich mir so überlege, mit wem ich in meiner Altersklasse auf einer Wellenlänge bin, dann sind das fast immer Leute aus dem Westen. Meine Mit-Zonis, alte Bekannte und Kollegen gucken immer ganz erschrocken, wenn ich was von meinem tiefen Hass auf die gegenwärtigen Verhältnisse zeige...

Wednesday, 10.05.2006

Willi Sitte

Die neue Willi-Sitte-Galerie in Merseburg besichtigt:
In einem Raum gabe es Antikriegsbilder. Mir fiel ein, wie sehr diese "Nie-wieder-Krieg"-Mahnung zum Alltag, zum Selbstverständnis in der DDR gehörte. Krieg war etwas unerhört Schlimmes, dass es zu verhindern galt. Jetzt ist Krieg etwas weit entferntes. Etwas, das blöde Ethnien veranstalten.

Tuesday, 09.05.2006

Herzerwärmend praktisch

Nadia C. schreibt in ihrem Essay "Your Politics Are Boring As Fuck" gegen die versteinerte, ritualisierte Diskutier/Demonstriersucht der Restaktivisten an.
Sie begeistert sich für eine Politik, die darauf aus ist, unser unmittelbares Leben im Hier und Jetzt zu verbessern, ganz im Sinne der Allerweltssprüche von Kästner und Che Guevara: "Es gibt nichts Gutes: außer man tut es!" und "Die besten Worte sind Taten. Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche."

Monday, 08.05.2006

staatliche Gewalt

Hat das was zu bedeuten? Der Ausübende staatlicher Gewalt muss dem Menschen, dem er Gewalt anzutun hat, selten in die Augen sehen. Der zu Erschießende bekommt die Augen verbunden, der zu Köpfende guckt auf dem Richtblock nach unten. Bei Giftspritzen und elektrischen Stühlen drückt der Henker auf einen Knopf. Der Demonstrant ist auf der Flucht, wenn er verdroschen wird, sieht dem ihn Schlagenden auch nicht ins Gesicht. Wenn der Prügelnde die Kontrolle über sich verliert, liegt das Opfer am Boden, krümmt sich, schützt Kopf und Gesicht.

Thursday, 04.05.2006

1. Mai in Leipzig II

Splitter, die mir noch eingefallen sind.
Neben den Rüstungen und den Waffen der Polizei natürlich noch die vielen Videokameras. Immer ein Wagen in der Nähe mit Kamera und Richtmikrofon auf einem Mast und dann noch mehrere Polizisten mit Handkameras. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie demnächst mit den biometrischen Daten der Bildschirm aussieht: wie ein Ego-Shooter, wo man die Namen der Gegner einblenden kann. Jeder, der sich nicht mit Kapuze und Sonnenbrille vermummt, ist sofort mit Name und Adresse bekannt.

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Wednesday, 03.05.2006

1. Mai in Leipzig

Mit ein paar schmuck gestylten Punks im Zug nach Leipzig.
Dann nach Connewitz. Unterwegs mit alten Leutchen mit hellen Sommerjacken, die Mainelke im Knopfloch. Dann am Treffpunkt schröckliche Punkmusik und wilde schwarz gewandete Menschen, die ihr erstes Sternburger frühstücken. Pipi Langstrumpf auf dem T-Shirt verkündet: "Bildet Banden!"

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