Und Schubert stößt sogar auf Dichter und Denker, die schon wesentlich früher die sächsische Gemütlichkeit nicht so richtig toll fanden:
Im Dezember 1788 teilte Schiller mit, was er während seines Dresden-Aufenthalts an menschlichem Elend, an »verstümmelten Abdruck oder vielmehr einer Ruine, die ehemals Geist oder Herz beseelte«, zu Gesicht bekam. »Die Kursachsen sind nicht die liebenswürdigsten von unseren Landsleuten, aber die Dresdner sind vollends ein seichtes, zusammengeschrumpftes, unleidliches Volk, bei dem es einem nie wohl wird.« Sie »schleppen sich in eigennützigen Verhältnissen herum, und der freie, edle Mensch
geht unter dem hungrigen Staatsbürger ganz verloren, wenn er anders je dagewesen ist«.
Und knapp zehn Jahre nach Schiller berichtete Jean Paul in einem Brief: »Ich habe meine demokratischen Zähne geknirscht, am meisten über das gekrümmte Schranzenvolk von Dresdnern, die nicht schön, nicht edel, nicht lesbegierig, nicht kunstbegierig, sondern nur höflich.« Während viele historische Beschreibungen sich positiv auf die Kunstsammlungen beziehen, fällt eher selten ein freundliches Wort über die Bewohner der Stadt.
