Tuesday, 31.01.2006

Sonntagsspaziergang

Na gut, heute ist schon Dienstag, aber der gedeihliche Sonntagsnachmittagsgang über die Pulverweiden und runter zum Kanal war anders als sonst:
Es war alles voller Kinder, Kinderwagen, Familien. Dort wo sonst nur die Hunde ausgeschüttelt werden, sah es aus wie Zille hundert Jahre danach. Ganz eigenartig - so viele Kinder auf einem Haufen und das in D.

Monday, 30.01.2006

1984 in der Kneipe

Wir sitzen in der Kneipe und trinken Bier. Über uns der Lautsprecher. Radio SAW dudelt, informiert uns aller 30 Minuten über Tote und Verletzte und den letzten Furz eines wichtigen Menschen, dazwischen hyperaktive gute Laune. Damals in Orwells 1984 war das auch so. Überall hingen Zwangs-Fernseher, die man nicht ausschalten konnte. Man musste raus in den Wald fahren, um dem "System" für ein paar Stunden zu entkommen.
Heute ist es eigentlich schlimmer. Die Lautsprecher wurden zumindest in der Kneipe freiwillig aufgehängt. Aber auch die Zwangsagitation im Supermarkt wurde nicht von einem totalitären Staat angeordnet. Olle Focault lässt grüßen. Wir lassen uns rund um die Uhr (oft sogar freiwillig) vom Mediensäuseln berieseln, auf dass sich in uns die Herrschaftsverhältnisse reproduzieren ganz ohne Zuchthaus und Pranger.

Sunday, 29.01.2006

Toter Fisch im Eis

Der Kanal ist zugefroren. Das Eis ist schwarz und klar. An einer Stelle ist ein großer Fisch eingefroren. Am Abend wenn es kalt wird, beginnt das Eis zu knacken. Schaurg schöne, fast metallische Schläge.

Saturday, 28.01.2006

Du bist Deutschland

Meinen Mitdeutschen hat die Kampagne gefallen, behauptet zumindest Holger Jung ein Macher der Kampagne im Interview mit der taz:
Frage: Wie steht's denn mit der Akzeptanz?
Antwort: Die ist in der breiten Bevölkerung wirklich gut: 51 Prozent der Bundesbürger kennen die Kampagne. Und 47 Prozent der Menschen, die sie kennen, bewerten sie positiv. 41 Prozent sagen zudem, die Kampagne spreche ein für sie persönlich wichtiges Thema an. Das sind sehr, sehr gute Werte.

Friday, 27.01.2006

Baudrillard und die Matrix

Die Wikipedia behauptet, eine der Kernaussagen des Requiem für die Medien von Baudrillard sei:
Es ist unmöglich, die Medien zu demokratisieren, zu infiltrieren oder Einfluss auf sie zu gewinnen; die einzige mögliche Veränderung sei das Wiederherstellen der Antwortmöglichkeit im Kommunikationsprozess, was Baudrillard als Revolution bezeichnet.
Nimmt man den Faible der Wachowskis für Baudrillard und die Gleichung Matrix = hyperrealistische Medienwelt. Dann wird klar, warum der dritte Teil "revolutions" heißt, weil Neo mit den Maschinen, den Machern der Matrix, quatscht.

Thursday, 26.01.2006

Kiffen oder Wichsen

Heute früh lief auf Radio Corax ein nettes Lied. Es wetterte gegen den Kifferkult in der Musik. Am schönsten war der Schluss: "Schließlich wichsen fast alle und reden auch nicht laufend drüber."

Monday, 23.01.2006

Hallesche Kometen

Im Kino Lux gab es die Halleschen Kometen. Der Film hielt, was er versprach.
  1. Ein Spielfilm aus Halle. Es ist schön, einen Film zu sehen, bei dem man fast jeden Papierkorb wiedererkennt, besonders dann, wenn man nochmal Plätze sieht, die so nicht mehr existieren, etwa das UFO-Wartehaus am Riebeckplatz.
  2. Und eine angenehm verkehrte Welt. Keine nervigen Eltern, die ihre Kinder stressen, dass sie sich anstrengen sollen und dem Superjob nachjagen. Nein, ein Sohn muss seinen depressiven Nullbockvater wieder auf den richtigen Weg bringen. Und das leicht angedeutete Happy-End besteht nicht darin, dass Papa endlich wieder Arbeit hat.
  3. Die Kamera hat draußen viel eingefangen, was ich kannte. Der Film zeigte Halle ungefähr so, wie ich es auch sehe. Aber drinnen in der Wohnung, das war ein Bruch mit der Wahrheit. Irgendjemand hatte ein Drehbuch geschrieben, in dem eine Wohnküche eine zentrale Rolle spielte. Deshalb musste im Studio eine Wohnung mit großer Küche gezaubert werden. Alles war getreulich rekonstruiert. Die Schiebetür, die Glasdurchreiche, der Sicherungskasten. Nur dass das Teil eben viel zu groß war.

Sunday, 22.01.2006

Der Wal in der Themse

  1. Douglas Adams behauptet in "Per Anhalter durch die Galaxis", dass die Delfine die nach den Mäusen zweitintelligentesten Wesen auf der Erde seien. Sie wussten, dass die Erde wegen einem Straßenneubau gesprengt werden sollte und versuchten, die Menschen durch allerlei Tricks und Kunststücke auf dieses Problem aufmerksam zu machen.
  2. James Lovelock ist in seinem neuen Buch "The Revenge of Gaia" davon überzeugt, dass das Ökosystem in den nächsten hundert Jahren zusammenbricht und dann im Laufe von 10.000 Jahren neu gebootet wird.
  3. Und dann war da noch der Wal in der Londoner Themse, nicht der erste Wal der so spektakulär auf sich aufmerksam machte...

Friday, 20.01.2006

Pretty Dyana

Gestern gab es im VL zum Filmabend Pretty Dyana, einen Dokumentarfilm von Boris Mitic. Verslumte Roma am Rande von Belgrad bauen aus alten Citroen Dyane für "zivilisierte" Menschen exotisch anmutende Transportautos ohne unnützes Blechkleid. Die Leute nutzen die Teile als Müllsammelautos und zum Laden von Autobatterien zur Stromerzeugung. Ach wie waren diese verfemten Zigeuner doch fröhlich und lebensmutig.
Ansonsten sind mir zwei Dinge aufgefallen:

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Thursday, 19.01.2006

James Lovelock - The Revenge of Gaia

Gestern habe ich auf Telepolis etwas über das neue Buch "The Revenge of Gaia" von James Lovelock, dem Vater der "Gaia-Hypothese", gelesen. Es hat mich getroffen. Ist es doch schon so schlimm. In Peter Weiss seiner Ästhetik des Widerstandes gibt es so ein Schlussbild, wo fast alle Guten schon im KZ sind. Die Frau steht allein und verlassen an der Kreuzung und stempelt heimlich mit ihrem Koffer "Wehrt Euch!" auf die Straße.
Aber ich denke diese Traurigkeit geht vorüber. Ich muss noch die Steuererklärung machen, den Keller aufräumen und das Klassenbuch aufrechnen. Kurze emotionale Irritation eines verfettenden Westeuropäers.

Wednesday, 18.01.2006

Tim Berners-Lee

Eigentlich wollte ich ja schreiben, dass Tim Berners-Lee überzeugt wurde, auch ein Blog zu führen, aber dann hatte ich die Adresse vergessen und hab sie über Google gesucht. Da kamen dann ein paar hundert Weblogs, die berichten, dass Tim Berners-Lee überzeugt wurde, auch ein Blog zu führen...
Neuronales Netz und so, jeder erzählt den selben Quark.

Tuesday, 17.01.2006

Liquid Design

Unter Liquid Designs gibt es nette Beispiele für zeitgemäßes Webdesign, das nicht nach der Bildschirmauflösung fragt.

Sunday, 15.01.2006

Kinder-Philosophie

Das wochenendliche Lehrerkoma hat mich doch noch vor die Glotze gezerrt und mir auf arte gezeigt, dass es einen wohlsortierten Methodenkasten gibt, um mit 5 bis 12-jährigen in der Schule zu philosophieren:
Die Schule wird zu einem völlig anderen Ort, wenn man die Kinder zum eigenständigen Denken ermutigt. Und warum dieser Wandel? Weil es plötzlich nicht mehr darum geht, in kürzester Zeit möglichst viel Wissen in die Kinder hineinzustopfen, sondern darum, ihnen ein Forum zu geben, in dem die gemeinsame Diskussion an erster Stelle steht.
Ich hab mich gefreut: Toll, endlich mal wieder was, was weg von Schule als Nürnberger Trichter führt.

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Saturday, 14.01.2006

Susanne Osthoff

Es geht mir momentan ganz gut, daher komme ich gut ohne Fernsehen und Zeitung aus. Natürlich habe ich mitbekommen, dass im Irak eine Deutsche entführt wurde und dass sich Susanne Osthoff nach ihrer Freilassung nicht erwartungsgemäß verhalten hat. Der Hype über dieses unbotmäßige Gebaren ist mir jedoch entgangen. MeOnly hat mich auf eine nette Zusammenfassung im Tagesspiegel aufmerksam gemacht.

Friday, 13.01.2006

kein LSD am Wochenende

Der in Ungarn geborene Schriftsteller und praktizierende Buddhist Arthur Koestler, der an einem der frühen Harvard-Experimente Learys teilgenommen hatte, hielt das Numinose der LSD-Erfahrung allenfalls für eine wertlose chemische Instant-Erleuchtung: "Der Schnellkochtopf-Mystizismus erscheint mir als die letzte Entweihung. Ich möchte mit einer Parabel antworten. Heute kann man viele Berggipfel mit der Seilbahn, dem Skilift oder gar mit dem Auto in wenigen Minuten erreichen. Doch sehen wir immer noch Tausende, die sich schwer atmend und stöhnend unter der Last ihrer Rucksäcke den steilen Pfad emporarbeiten. Meine Absicht ist nicht, Schweiß und Mühsal zu verherrlichen. Ich will nur sagen, dass die Aussicht zwar dieselbe ist, den Wanderern sich jedoch ein anderer Anblick bietet als denen, die mit dem Auto hinauffahren."

Thursday, 12.01.2006

RFID-Zapper

Das EMP mit dem die guten echten Menschen in der Matrix-Trilogie gegen die Maschinen kämpfen findet seinen Weg in die Realität. Auf dem CCC-Kongress wurde ein RFID-Zapper vorgestellt. Gebastelt aus Blitzlicht-Kondensator und Spule entsteht ein Gerät, mit dem mensch gegen den Angriff der Killer-RFIDs wehren kann.

Tuesday, 10.01.2006

Schrumpfende Städte III

Der erste Teil der Austellung zu den schrumpfenden Städten in Halle war nicht schlecht. Analyse von Detroit, Liverpool, Halle/Leipzig und Ivanovo. Das ganze im zerfallenden Bahnhof des schrumpfenden Halle-Neustadt. Bestandsaufnahme und am Ende das Gefühl: die Ruinen zwischen denen ich wohne sind keine Zonenangelegenheit, sondern sowas passiert überall in der Welt.

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Monday, 09.01.2006

Schrumpfende Städte II

Den ultimativen Kommentar zum geplanten Stadionneubau in Halle/S. liefert Tafel C24:
Leuchtturmarchitekturen
In schrumpfenden Städten werden häufig spektakuläre Großbauten errichtet, um den durch Deindustrialisierung gekennzeichneten Standorten ein neues Image zu geben und Bewohner, Touristen und Investoren anzuziehen. Während in den 1970er Jahren vor allem Konferenzzentren und in den 1980er Sportarenen errichtet wurden, sind in den letzten Jahren vor allem Kulturgroßobjekte wie etwa das Guggenheim Museum in Bilbao en vogue geworden. Solche Bauwerke funktionieren zwar oft als Touristenmagnet, doch bleibt die wirtschaftliche Belebung der Standorte durch neue Investoren ebenso aus wie die erhofften positiven Ausstrahlungeffekte auf benachbarte Stadtteile."

Sunday, 08.01.2006

Schrumpfende Städte I

Gestern war ich in Leipzig im Teil 2 der Ausstellung zu schrumpfenden Städten Am meisten bewegt hat mich der folgende kurze Text, den ich wohl auch schon als Graffiti gelesen hatte:
lasst uns in ruhe
strengt euch nicht mehr an
spart euch das geld
+++
wir wollen nicht mehr
uns ist nicht zu helfen
seht das endlich ein
+++
es muss nichts geschehen
rechnet mit uns
wir melden uns

Friday, 06.01.2006

Meine Lieblingsaffen

Die Bonobos sind meine Lieblingsaffen, weil sie als unsere nächsten Verwandten so ganz gar nicht dazu taugen den menschlichen Männlichkeitswahn und die aggressive der-Stärkste-gewinnt-Ideologie mit den Genen und unserer wilden Herkunft zu erklären.
Ja bei den Schimpansen dreht sich alles um ein, zwei Obermacker in der Gruppe und dieser Obermacker ist ununterbrochen damit beschäftigt seine Position zu halten.
Aber bei den Bonobos ist das anders, im Zentrum der Gruppe stehen befreundete Weibchen, die über die Aufteilung des Futters verhandeln. Und da wo sich andere Leute/Affen gegenseitig eins in die Fresse hauen, haben die Bonobos erst mal Sex.

Thursday, 05.01.2006

Die gehemmten Untergorillas

Bei den Gorillas gibt es die dominanten Silberrücken, die in der Gruppe den Chef machen. Sie bekommen weißes Fell auf dem Rücken. Bei den unterlegenen Männern hat man im Gehirn eine hemmende Substanz gefunden, die verhindert, dass sich diese Herren ständig neu nach oben boxen wollen. Unklar ist jedoch, ob diese Substanz von Geburt an Unterwürfigkeit erzeugt oder erst später gebildet wird, um die einmal eingenommene soziale Position zu verkraften.

Wednesday, 04.01.2006

Umsturzszenario

Werner Ruhoff entwirft in seinem Buch "Eine sozialistische Fantasie ist geblienen" ein mögliches Umsturzszenario:
Der antikapitalistisch eingefärbte sinneswandel großer teile der bevölkerung in vielen ländern war einerseits das resultat einer langjährigen, schwelenden krise mit einer chronisch hohen erwerbslosigkeit, die von kriegen, zunehmenden naturkatastrophen und dem allmählichen versiegen wichtiger rohstoffe wie dem erdöl begleitet wurde. Aber das allein rief noch keinen allgemeinen sinneswandel hervor. Ein internationales patchwork unterschiedlichster bewegungen und neuer strukturen hatte bald auch in vielen medienbereichen anhängerInnen gewonnen und führte schlagartig dazu, dass der neoliberale und rechtslastige mainstream in den alten Zeitungs- und Fernsehunternehmen ausgehöhlt wurde.

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Monday, 02.01.2006

Rückhalt für Deutschland

Die Techniker Krankenkasse macht sich stark für den Rücken ihrer Mitglieder und für Deutschland:

Volksgesundheit und Wehrertüchtigung.

Sunday, 01.01.2006

Kleine Schifflein suchen ihren Weg

Werner Ruhoff in seinem Buch "Eine sozialistische Fantasie ist geblienen":
All die selbstverwalteten Projekte, die sich mit massiven Hindernissen konfrontiert sehen, sind mit selbstgebauten Schiffen vergleichbar, deren Besatzungen nach neuen Ufern Ausschau halten. Die Hemmschwelle, sich den AbenteurerInnen anzuschließen, ist trotz der zunehmenden Ungemütlichkeit zu Hause sehr hoch. Die Ungewissheit des Erfolgs ist noch zu groß. Das Leben würde in neue Bezüge eingebettet und mit neuen Anstrengungen verbunden sein, die sich nicht in Geld bezahlt machen. Die Wertvorstellungen von Lebensqualität müssten sich verändern und das Miteinander Vieler verlangt den Abschied von der erlernten Mentalität des privaten Konkurrenzverhaltens.

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